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Top 10 Burgen in Japan: Original-Tenshu und Rekonstruktionen

Japan hat eine der kohärentesten Burgbautraditionen der Welt — entstanden in einer kurzen Periode vom späten 16. bis frühen 17. Jahrhundert und seither durch Feuer, Erdbeben, Blitz und den Zweiten Weltkrieg dezimiert. Vom ursprünglichen Bestand der Edo-Zeit (17. bis 19. Jahrhundert) stehen noch zwölf japanische Burgen mit authentischen hölzernen Tenshu — dem Hauptturm. Sechs davon gelten als National Treasure (Kokuhō). Alle anderen sichtbaren Burgen Japans sind Beton-Rekonstruktionen des 20. Jahrhunderts.

1. Himeji-jō, Hyogo

Himeji ist das unbestrittene Meisterwerk der japanischen Burgarchitektur — weißverputzte Mauern und elegante Kurven der Dachlinien haben ihm den Namen „Weißer Reiher" eingebracht. Der bestehende Tenshu-Komplex aus sechs verbundenen Türmen entstand zwischen 1601 und 1609 unter Ikeda Terumasa. Himeji wurde im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört, obwohl Himeji-Stadt bombardiert wurde; die Brandnacht zog am Schloss vorbei. UNESCO-Welterbe seit 1993. National Treasure.

2. Matsumoto-jō, Nagano

Matsumoto — „Schwarze Krähe" — ist das älteste Original-Tenshu Japans, erbaut zwischen 1592 und 1614. Das schwarze Latten-Exterieur unterscheidet es von allen anderen japanischen Burgen. Die ungewöhnliche Mondschau-Galerie, die im 17. Jahrhundert hinzugefügt wurde, zeigt, wie Burgen im Frieden zu Repräsentationsanlagen wurden. Matsumoto liegt auf Alpenniveau in Nagano; die Bergkulisse hinter dem wassergrabenumgebenen Turm ist das bekannteste Bild der japanischen Burgenwelt. National Treasure.

3. Kumamoto-jō, Kumamoto

Kumamoto, 1601 bis 1607 durch Kato Kiyomasa errichtet, gilt als die militärisch komplexeste japanische Burg: 49 Türme, 29 Tore, eine ausgefeilte Wasserversorgung für Belagerungssituationen — Kiyomasa pflanzte essbare Bäume im Hof. Das Aprilbeben von 2016 (Stärke 7,0) zerstörte erhebliche Teile der Stein-Ishigaki-Wände; Restaurierungsarbeiten laufen und werden voraussichtlich bis 2037 dauern. Der restaurierte Tenshu wurde 2019 wiedereröffnet.

4. Hikone-jō, Shiga

Hikone am Biwasee ist einer der vier Original-Tenshu mit National-Treasure- Status. Der Turm wurde 1606 bis 1622 durch den Ii-Clan errichtet; die Familie Ii regierte das Hikone-Han bis 1871. Hikone entging einer Abrissgenehmigung 1872 nur durch persönliche Intervention von Kaiser Meiji. Die erhaltene Nishi-no-Maru — die Westbefestigung — ist die komplexeste erhaltene Nebenanlage einer japanischen Burg. Das Schlossmuseum zeigt die Ii-Rüstung mit ihrem charakteristischen roten Lack.

5. Inuyama-jō, Aichi

Inuyama ist der älteste National-Treasure-Tenshu Japans, erbaut 1537, und die einzige Burg, die bis 2004 in Privatbesitz blieb — im Besitz der Familie Naruse seit dem 17. Jahrhundert. Der Turm steht auf einem Felsriff über dem Kiso-Fluss; das Erdgeschoss des Holzbaus ist direkt auf den Fels gesetzt. Die Aussicht von der obersten Galerie über den Fluss gilt als eine der schönsten Burgpanoramen Japans.

6. Maruoka-jō, Fukui

Maruoka gilt als die älteste vollständige Burganlage Japans, erbaut 1576 unter Shibata Katsutoyo. Der Tenshu ist kleiner und schlichter als Himeji oder Hikone, aber technisch bemerkenswert: Das Dach ist mit Steinplatten gedeckt statt mit Ziegeln — die einzige bekannte Steinplatten-Dachdeckung einer japanischen Burg. Maruoka wurde durch ein Erdbeben 1948 zum Teil zerstört und aus dem originalen Material wieder aufgebaut.

7. Kōchi-jō, Kōchi

Kōchi ist eine der seltenen japanischen Burgen, die ihre originale Gesamtanlage bewahrt haben — Tenshu, Honmaru-Palast und Tore in authentischem Zustand. Der ursprüngliche Bau durch Yamauchi Kazutoyo entstand 1601 bis 1611; nach einem Brand 1727 wurde die Anlage bis 1753 vollständig mit dem Originalplan wiederaufgebaut. Kōchi auf Shikoku ist weniger besucherstark als Himeji oder Matsumoto — einer der ruhigeren Genüsse der japanischen Burgenreise.

8. Matsue-jō, Shimane

Matsue ist der einzige originale Tenshu, der sowohl National Treasure als auch direkt am Wasser liegt: ein Wassergraben des 17. Jahrhunderts umgibt den Burghügel. Erbaut 1607 bis 1611 unter Horio Yoshiharu, ist das schwarze Exterieur dem Matsumoto ähnlich. Lafcadio Hearn — der irisch-griechische Schriftsteller, der Japan für das westliche Publikum literarisch öffnete — lebte 1890 in Matsue; sein Wohnhaus ist erhalten.

9. Bitchū Matsuyama-jō, Okayama

Bitchū Matsuyama ist die höchstgelegene japanische Burg, auf 430 Metern im Chugoku-Gebirge, und die einzige Bergburg unter den authentischen Tenshu. Der dreigeschossige Turm, im 17. Jahrhundert nach mehreren Zerstörungen wiederaufgebaut, ist aus Raumknappheit auf dem schmalen Felsgipfel extrem kompakt. Herbstnebel, der das Tal füllt und den Burgturm frei lässt, ist als „Nebelmeer-Burg" zum Photographenziel geworden.

10. Osaka-jō, Osaka

Osaka-jō ist die bekannteste japanische Burg und eine Beton-Rekonstruktion von 1931. Der ursprüngliche Bau Toyotomi Hideyoshis von 1583 war damals der größte Burgbau Japans; Tokugawa Ieyasu ließ ihn nach der Belagerung 1615 schleifen und einen neuen Tokugawa-Tenshu bauen, der 1665 durch Blitz brannte. Der heutige Turm hat einen Fahrstuhl. Trotzdem: Der Burgpark mit seinem 1,2 Kilometer Steinwall gehört zu den eindrucksvollsten Burggeländen Japans, und das Museum im Inneren ist hervorragend.

Original gegen Rekonstruktion

Von Japans etwa 100 noch stehenden Burgtürmen sind sechs National Treasure (Himeji, Matsumoto, Inuyama, Hikone, Matsue, Kōchi-Honmaru). Vier weitere — darunter Maruoka — haben historisch authentische Tenshu ohne National- Treasure-Status. Alle übrigen Türme, die Japan zeigt — Osaka, Nagoya, Hiroshima, Edo — sind Beton-Rekonstruktionen des 20. Jahrhunderts, die wertvolle Museen enthalten, aber keine mittelalterliche Substanz zeigen.

Auf der Karte

Alle zehn japanischen Burgen sind auf der interaktiven Karte eingetragen. Die geografische Verteilung zeigt zwei Cluster: Zentraljapan (Nagano, Aichi, Fukui, Shiga) und Westjapan (Hyogo, Kōchi, Shimane, Okayama).