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Top 10 Burgen und Alcázare in Spanien

Alhambra, Granada (UNESCO), Spain
Photo: Jebulon, CC0, via Wikimedia Commons

Spanien hat mehr Burgen als jedes andere Land Europas: über 10.000 registrierte Anlagen. Das ist kein Zufall — die Reconquista, die schrittweise Rückeroberung der Iberischen Halbinsel durch christliche Reiche von 722 bis 1492, machte jede Grenzlinie zur Burgenreihe. Das kastilische Wort „castle" ist von Kastilien (Castilla) abgeleitet — „Land der Burgen". Diese zehn Anlagen decken das ganze Spektrum ab, von maurischer Palatialarchitektur bis zum gotischen Trutzschloss.

1. Alhambra, Granada

Die Alhambra ist der Höhepunkt islamischer Architektur in Westeuropa — eine Palatialstadtanlage auf dem Sabikah-Hügel über Granada, erbaut zwischen 1238 und 1492 durch die Nasriden-Sultane. Die Nasriden regierten das letzte muslimische Königreich Iberiens; der Vertragsfrieden, mit dem Muhammad XII. 1492 Granada an die Katholischen Könige übergab, beendete die Reconquista. Die Komara-Fassade, der Löwenhof und die Generalife-Gärten sind das vollständigste erhaltene Ensemble mittelalterlich-islamischer Palatialkunst. Tagesbesucher sind auf 7700 limitiert; Vorabbuchen unbedingt erforderlich.

2. Alcázar de Segovia

Der Alcázar von Segovia auf einem Felsschnabel über dem Zusammenfluss von Eresma und Clamores ist die prägendste Burgsilhouette Spaniens — und Inspiration für Walt Disneys Schloss im Dornröschen-Film. Der Kernbau stammt aus dem 12. Jahrhundert; die schiffsbugartige Spitze mit dem Torre de Juan II. und die blauschiefrigen Turmhelme entstanden im späten 14. und 15. Jahrhundert. Isabela I. von Kastilien wurde 1474 hier zur Königin proklamiert.

3. Castillo de Coca, Kastilien

Coca in der Provinz Segovia ist das Meisterwerk des spanischen Mudéjar-Stils — eine Trutzburg in gebranntem Backstein, erbaut zwischen 1453 und 1473 für die Familie Fonseca, Erzbischöfe von Sevilla und Toledo. Drei konzentrische Mauern, Dreifachgraben, Ziegelornamentik aus islamischer Geometrie auf christlichen Burgenformen. Coca vereinigt das Beste beider Baukulturen der Halbinsel in einer einzigen Anlage.

4. Alcázar de Sevilla

Der Real Alcázar von Sevilla ist eine der wenigen Anlagen, in denen Christianisierung und islamische Architektur physisch überlagert sind. Die Almohaden bauten den Patio de Yeso im 12. Jahrhundert; Pedro I. von Kastilien beauftragte 1364 bis 1366 maurische Handwerker aus Granada und Toledo mit dem Bau des Palacio del Rey Don Pedro — ein christlicher König in einem islamischen Palasttyp, das vollständigste Mudéjar-Ensemble Spaniens. Noch heute ist er Residenz der spanischen Königsfamilie in Sevilla.

5. Castillo de Loarre, Aragón

Loarre in den Ausläufern der Pyrenäen ist die besterhaltene romanische Burganlage Spaniens — gebaut von den Königen von Aragón zwischen 1020 und 1096 als Stützpunkt für die Reconquista gegen die Taifa-Fürsten von Saragossa. Die Stiftskirche innerhalb der Mauern, um 1095 eingeweiht, ist ein hervorragendes Beispiel der aragonischen Romanik. Ridley Scott drehte hier Teile von Kingdom of Heaven (2005).

6. Castillo de Belmonte, Kastilien-La Mancha

Belmonte in der Mancha, 1456 durch Don Juan Pacheco, Marqués de Villena, erbaut, ist eine der vollständigsten erhaltenen Adelsburganlage des kastilischen Spätmittelalters: ein sechseckiger Grundriss mit drei zylindrischen Türmen, die aus einem kurvenförmigen Cortina-Ring hervortreten. Die gotischen Innenräume mit Kassettendecken und Azulejo-Böden sind kaum verändert. Eugenia de Montijo, spätere Kaiserin der Franzosen, verbrachte ihre Kindheit hier.

7. Manzanares el Real, Madrid

Manzanares el Real am Fuß der Sierra de Guadarrama, 50 Kilometer von Madrid, ist die am besten erhaltene mittelalterliche Burg der Provinz Madrid. Erbaut zwischen 1475 und 1480 durch Diego Hurtado de Mendoza, zweiten Herzog von Infantado, kombiniert sie gotische Türme mit Mudéjar-Ornamentik. Vorbild für den Bau war nach einer zeitgenössischen Quelle die Alhambra; das Ergebnis ist ein reizvolles Hybrid ohne die Größe der Vorlage.

8. Palacio Real de Olite, Navarra

Olite war die Hauptresidenz der Könige von Navarra im 14. und 15. Jahrhundert. Unter Karl III. von Navarra wurde der Palastkomplex zwischen 1400 und 1420 zu einem der spektakulärsten gotischen Residenzbauten der Iberischen Halbinsel ausgebaut — Türme in verschiedenen Höhen, Hängende Gärten, ein Löwengehege. Der napoleonische Rückzug 1813 zerstörte große Teile; das heutige Bild kombiniert restaurierte Türme mit Ruinen, die als Parador-Hotel genutzt werden.

9. Castillo de Peñafiel, Kastilien

Peñafiel auf einem langen, schmalen Felsgrat in der Ribera del Duero sieht aus wie ein Schiff auf einem Hügel — das schmalste Kastell Spaniens: 35 Meter breit, 210 Meter lang. Die Anlage stammt aus dem 10. Jahrhundert, erhielt ihre heutige gotische Gestalt im 15. Jahrhundert unter dem Infanten Don Juan de Castilla. Im Inneren befindet sich heute ein Weinmuseum — Ribera del Duero ist Spaniens bedeutendste Rotweinregion.

10. Castillo de Bellver, Mallorca

Bellver auf einem Hügel über Palma de Mallorca ist die einzige runde Burg Spaniens: ein perfekter Kreisgrundriß mit einem zylindrischen Bergfried innerhalb des Cortina-Kreises, verbunden durch einen Bogengang auf verschiedenen Etagen. Gebaut zwischen 1300 und 1311 für König Jakob II. von Mallorca — kein Militärbau, sondern königliche Sommerresidenz. Nach der aragonischen Annexion 1343 wurde Bellver Staatsgefängnis; Gaspar Melchor de Jovellanos saß hier 1802 bis 1808 gefangen.

Planungshinweise

Granada ist per Hochgeschwindigkeitszug von Madrid in 2,5 Stunden erreichbar. Segovia und Manzanares el Real liegen in Tagesreichweite von Madrid. Loarre und Belmonte erfordern ein Auto. Mallorca ist per Fähre oder Flugzeug erreichbar.

Weiter entdecken

Alle zehn Anlagen sind auf der interaktiven Karte eingetragen. Die Karte zeigt die kastilische Burgenlinie als Band von Nordwest nach Südost — die historische Reconquista-Grenzzone, heute die dichteste Burgenregion Europas.