Top 10 Burgen und Alcázare in Spanien

Spanien hat mehr Burgen als jedes andere Land Europas: über 10.000 registrierte Anlagen. Das ist kein Zufall — die Reconquista, die schrittweise Rückeroberung der Iberischen Halbinsel durch christliche Reiche von 722 bis 1492, machte jede Grenzlinie zur Burgenreihe. Das kastilische Wort „castle" ist von Kastilien (Castilla) abgeleitet — „Land der Burgen". Diese zehn Anlagen decken das ganze Spektrum ab, von maurischer Palatialarchitektur bis zum gotischen Trutzschloss.
1. Alhambra, Granada
Die Alhambra ist der Höhepunkt islamischer Architektur in Westeuropa — eine Palatialstadtanlage auf dem Sabikah-Hügel über Granada, erbaut zwischen 1238 und 1492 durch die Nasriden-Sultane. Die Nasriden regierten das letzte muslimische Königreich Iberiens; der Vertragsfrieden, mit dem Muhammad XII. 1492 Granada an die Katholischen Könige übergab, beendete die Reconquista. Das Ensemble gliedert sich in drei Bereiche: die militärische Alcazaba im Westen, die Nasriden-Paläste im Zentrum und den Generalife-Gartenpalast im Osten. Die Komara-Fassade, der Löwenhof mit seinen 124 schlanken Säulen und die Muqarnas-Stalaktitengewölbe im Comarespalast sind das vollständigste erhaltene Ensemble mittelalterlich-islamischer Palatialkunst. Fernando und Isabela empfingen Kolumbus nach seiner Rückkehr 1493 hier. Tagesbesucher sind auf 7700 limitiert; Vorabbuchen Wochen im Voraus ist unbedingt erforderlich, besonders von April bis Oktober. Eintrittspreis liegt im mittleren Bereich; günstigstes Kontingent ist das frühe Morgenticket. UNESCO-Welterbe seit 1984.
2. Alcázar de Segovia
Der Alcázar von Segovia auf einem Felsschnabel über dem Zusammenfluss von Eresma und Clamores ist die prägendste Burgsilhouette Spaniens — und gilt als Inspiration für Walt Disneys Märchenschloss. Der Kernbau stammt aus dem 12. Jahrhundert; die schiffsbugartige Spitze mit dem Torre de Juan II. und die blauschiefrigen Turmhelme entstanden im späten 14. und 15. Jahrhundert. Isabela I. von Kastilien wurde 1474 hier zur Königin proklamiert, womit dieser Ort zum symbolischen Ausgangspunkt der spanischen Einheit wurde. Nach einem verheerenden Brand 1862 wurde die Burg originalgetreu rekonstruiert; die heutigen Spitzhelme sind 19. Jahrhundert. Im Inneren befindet sich ein Militärmuseum mit einer umfangreichen Rüstungs- und Waffensammlung. Segovia ist ab Madrid in rund 30 Minuten per Hochgeschwindigkeitszug erreichbar — ideal für einen Tagesausflug.
3. Alcázar de Sevilla
Der Real Alcázar von Sevilla ist eine der wenigen Anlagen, in denen Christianisierung und islamische Architektur physisch überlagert sind. Die Almohaden bauten den Patio de Yeso im 12. Jahrhundert; Pedro I. von Kastilien beauftragte 1364 bis 1366 maurische Handwerker aus Granada und Toledo mit dem Bau des Palacio del Rey Don Pedro — ein christlicher König in einem islamischen Palasttyp, das vollständigste Mudéjar-Ensemble Spaniens. Die Säle del Conseil, des Gesandtenpavillons und der Patio de las Doncellas haben ihre originalen Stuck- und Azulejo-Dekorationen fast unverändert bewahrt. Der gesamte Palastkomplex ist UNESCO-Welterbe seit 1987. Noch heute ist er Residenz der spanischen Königsfamilie in Sevilla, weshalb einzelne Bereiche gelegentlich geschlossen sein können. Bekannt als Filmkulisse für Game of Thrones.
4. Castillo de Coca, Kastilien
Coca in der Provinz Segovia ist das Meisterwerk des spanischen Mudéjar-Stils — eine Trutzburg in gebranntem Backstein, erbaut zwischen 1453 und 1473 für die Familie Fonseca, Erzbischöfe von Sevilla und Toledo. Drei konzentrische Mauern, Dreifachgraben, Ziegelornamentik aus islamischer Geometrie auf christlichen Burgenformen — Coca vereinigt das Beste beider Baukulturen der Halbinsel in einer einzigen Anlage. Die roten Backsteinmuster — Blendarkaden, Alfiz-Rahmungen, geometrische Friese — sind von islamischen Handwerkern ausgeführt, die Gesamtanlage jedoch ein vollwertiges Kastell mit Artillerie- bastionen nach Renaissancevorbild. Heute betreibt das spanische Forstministerium hier eine Forstschule; die Burg ist mit Führung zugänglich. Coca liegt 45 Kilometer westlich von Segovia, gut mit dem Auto zu erreichen.
5. Castillo de Bellver, Mallorca
Bellver auf einem Hügel über Palma de Mallorca ist die einzige runde Burg Spaniens: ein perfekter Kreisgrundriß mit einem zylindrischen Bergfried innerhalb des Cortina-Kreises, verbunden durch einen Bogengang auf verschiedenen Etagen. Gebaut zwischen 1300 und 1311 für König Jakob II. von Mallorca — kein Militärbau, sondern königliche Sommerresidenz, auf 112 Metern Höhe mit Panoramablick über die Bucht von Palma. Nach der aragonischen Annexion 1343 wurde Bellver Staatsgefängnis; Gaspar Melchor de Jovellanos, der bedeutendste spanische Aufklärungsphilosoph, saß hier 1802 bis 1808 ohne Gerichtsurteil gefangen und schrieb in dieser Zeit seine Abhandlung über die Anlage. Die Doppelarkade des runden Innenhofs gilt als einer der schönsten gotischen Innenräume Spaniens. Heute beherbergt Bellver das Stadtmuseum Palmas.
6. Castillo de Loarre, Aragón
Loarre in den Ausläufern der Pyrenäen ist die besterhaltene romanische Burganlage Spaniens — gebaut von den Königen von Aragón zwischen 1020 und 1096 als Stützpunkt für die Reconquista gegen die Taifa-Fürsten von Saragossa. Die Anlage erhebt sich auf einem Konglomeratfelsen auf etwa 1.070 Metern Höhe über der Ebene von Huesca; an klaren Tagen sind die Pyrenäen im Norden zu sehen. Die Stiftskirche innerhalb der Mauern, um 1095 eingeweiht, ist ein hervorragendes Beispiel der aragonischen Romanik mit vollständig erhaltenem Langhaus, Apsis und geschnitzten Kapitellen. Ridley Scott drehte hier Teile von Kingdom of Heaven (2005). Loarre erfordert ein Auto; nächster größerer Ort ist Huesca, 35 Kilometer entfernt, das wiederum per Bahn von Saragossa erreichbar ist.
7. Castillo de Peñafiel, Kastilien
Peñafiel auf einem langen, schmalen Felsgrat in der Ribera del Duero sieht aus wie ein Schiff auf einem Hügel — das schmalste Kastell Spaniens: 35 Meter breit, 210 Meter lang, mit einem zentralen Bergfried von 34 Metern Höhe. Die Anlage stammt aus dem 10. Jahrhundert, erhielt ihre heutige gotische Gestalt im 15. Jahrhundert unter dem Infanten Don Juan Manuel und später der Familie Girón. Don Juan Manuel, 13. Jahrhundert, war Autor des ersten Prosawerks in kastilischer Sprache, das hier entstand. Im Inneren befindet sich heute das Weinmuseum der Ribera del Duero — eine passende Kombination, denn die umgebenden Hänge produzieren Spaniens bedeutendsten Tempranillo. Peñafiel liegt 55 Kilometer östlich von Valladolid; nächster Bahnhof ist Valladolid, von dort mit dem Bus.
8. Castillo de Manzanares el Real, Madrid
Manzanares el Real am Fuß der Sierra de Guadarrama, 50 Kilometer von Madrid, ist die am besten erhaltene mittelalterliche Burg der Provinz Madrid. Erbaut zwischen 1475 und 1480 durch Diego Hurtado de Mendoza, zweiten Herzog von Infantado, kombiniert sie gotische Türme mit Mudéjar-Ornamentik. Die Außengalerie mit Baldachinsimsen, die Machikolationen und die sorgfältig gearbeiteten Fensterumrahmungen zeigen gotisch-flamboyante Eleganz. Die Burg wurde direkt als Adelresidenz und nicht als Festung konzipiert — sie wurde nie ernsthaft belagert. Das umliegende Embalse de Santillana und die Guadarrama-Gipfel im Hintergrund machen sie zum lohnendsten Tagesausflug aus der Hauptstadt. Ab Madrid per Linie 724 mit dem Bus erreichbar; Fahrtzeit etwa eine Stunde.
9. Castillo de los Templarios, Ponferrada
Die Templer-Burg von Ponferrada in der Region Bierzo, León, ist die größte erhaltene Tempelritter-Anlage der Iberischen Halbinsel. Die Templer erhielten die Burg 1178 von König Ferdinand II. von León und bauten sie über mehr als ein Jahrhundert zur massiven Festung aus, bis der Orden 1312 aufgelöst wurde. Die Anlage bewacht den Jakobsweg — Ponferrada ist ein wichtiger Etappenort auf dem Camino Francés, etwa 200 Kilometer vor Santiago de Compostela. Die Zugbrücke, der Uhrturm, der Innenhof und die mehrschichtigen Verteidigungsringe sind gut erhalten. Ein Kulturzentrum mit Bibliothek und kleinem Museum ist im Inneren eingerichtet. Ponferrada liegt im Bierzo-Weinbaugebiet, bekannt für Mencía-Rotweine. Die Stadt ist per Bahn von León erreichbar.
10. Palacio Real de Olite, Navarra
Olite war die Hauptresidenz der Könige von Navarra im 14. und 15. Jahrhundert. Unter Karl III. von Navarra wurde der Palastkomplex zwischen 1400 und 1420 zu einem der spektakulärsten gotischen Residenzbauten der Iberischen Halbinsel ausgebaut — Türme in verschiedenen Höhen, Hängende Gärten, ein Menagerie mit Löwen, Kamelen und Straußen. Der Bau stand in direktem Kontakt mit dem französischen Hof; Karl war in Frankreich aufgewachsen und importierte nordfranzösische Hofmode nach Navarra. Der napoleonische Rückzug 1813 zerstörte große Teile; das heutige Bild kombiniert restaurierte Türme mit Ruinen. Ein Teil des Komplexes wird als Parador-Hotel genutzt. Olite liegt an der Bahnlinie Pamplona–Saragossa; regelmäßige Verbindungen aus beiden Städten, Fahrtzeit etwa 30 Minuten von Pamplona.
Planungshinweise
Granada ist per Hochgeschwindigkeitszug von Madrid in ca. 2,5 Stunden erreichbar; die Alhambra verlangt Vorausplanung von Wochen — besonders in der Hauptsaison von April bis September. Segovia, Manzanares el Real und Peñafiel liegen in Tagesreichweite von Madrid. Loarre und Ponferrada erfordern ein Auto. Mallorca ist per Fähre (Nachtfähre ab Barcelona oder Valencia) oder Flugzeug erreichbar; Bellver ist von Palma aus mit dem Bus zu erreichen. Olite liegt komfortabel auf der Route Pamplona–Saragossa. Die beste Reisezeit für Kastilien ist Frühling (April–Juni) und Herbst (September–Oktober), wenn die Temperaturen angenehm und die Besucherzahlen moderat sind.
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Alle zehn Anlagen sind auf der interaktiven Karte eingetragen. Die Karte zeigt die kastilische Burgenlinie als Band von Nordwest nach Südost — die historische Reconquista-Grenzzone, heute die dichteste Burgenregion Europas.