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Top 10 Burgen und Schlösser in Rumänien

Peles Castle, Sinaia, Romania
Photo: Myrabella, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Rumänien hat eine Burglandschaft, die Europa noch nicht vollständig entdeckt hat. Siebenbürgen allein besitzt Dutzende erhaltene mittelalterliche Burgen und über 150 befestigte siebenbürgisch-sächsische Wehrkirchen — eine Architekturform ohne Parallele in Europa, bei der Kirchengemeinden ihre Pfarrkirchen in befestigte Dorfzentralen verwandelten. Siebenbürgen war jahrhundertelang Grenzland zwischen dem Königreich Ungarn und dem Osmanischen Reich, was eine außergewöhnliche Dichte von Verteidigungsbauten aller Art erzeugte. Die zehn hier genannten Anlagen reichen von mittelalterlicher Wehrarchitektur bis zum Historismusprachtstück des 19. Jahrhunderts. Alle sind auf der interaktiven Karte eingetragen.

1. Schloss Peleș, Sinaia

Peleș ist das spektakulärste historistische Schloss Mitteleuropas — erbaut zwischen 1873 und 1914 für König Karl I. von Rumänien aus dem Haus Hohenzollern-Sigmaringen. Der deutsche Architekt Wilhelm von Doderer und sein Nachfolger Karel Liman entwarfen eine neorenaissance-neogotische Anlage in den Karpaten auf 800 Metern Höhe oberhalb der Kurstadt Sinaia im Prahova-Tal, die an Neuschwanstein erinnert, aber breiter, prächtiger und besser eingerichtet ist. Die 160 Räume mit Muranoglas, einer bedeutenden Waffensammlung, einem maurischen Rauchsalon und einer hydraulisch betriebenen Theaterkulisse — der ersten elektrischen Bühnenanlage in einem europäischen Schloss — sind vollständig erhalten. Peleș war von 1948 bis zum Ende des Kommunismus verstaatlicht und diente zeitweise als Ceaușescu-Residenz. Heute ist es eines der meistbesuchten Museen Rumäniens; der Eintritt liegt im moderaten Bereich. Sinaia ist von Bukarest aus in knapp zwei Stunden per Bahn erreichbar; das nächste internationale Flughafen ist Bukarest Henri Coandă (OTP).

2. Bran Castle, Siebenbürgen

Bran auf einem markanten Felsblock zwischen Siebenbürgen und der Walachei wurde 1377 von den Bürgern Kronstadts (Brașov) als Grenzzollburg errichtet und kontrollierte den Bran-Pass. Die Verbindung mit Vlad III. ist historisch dünn: Er soll 1462 kurz als Gefangener hier gehalten worden sein, nicht als Herrscher. Bram Stoker kannte die Burg nicht; er orientierte sich für seinen Dracula-Roman von 1897 an einer Beschreibung der Karpaten aus dem Reiseführer von Charles Boner. 1920 schenkten die Bürger von Brașov die Burg Königin Marie von Rumänien, die sie zur Sommerresidenz ausbaute; 2006 wurde sie an die königlichen Erben restituiert. Bran ist trotz des Dracula-Rummels eine der malerischsten Anlagen Rumäniens: viereckige Türme auf asymmetrischem Felsblock, kompakter Innenhof mit Galerie, dramatische Kulisse über der Talenge. Die Burg liegt 30 Kilometer westlich von Brașov, dem besten Ausgangsort für eine Siebenbürgen-Rundreise.

3. Corvin Castle (Hunedoara), Siebenbürgen

Corvin — Castelul Corvinilor — ist die prächtigste gotische Burg Rumäniens, erbaut ab 1440 durch Johann von Hunyadi (Iancu de Hunedoara), den Gouverneur Ungarns und Siebenbürgens und Vater des späteren Königs Matthias Corvinus. Die Anlage vereint Bergfried, Zugbrücke, mehrere Türme und eine gotische Ritterkapelle auf einem Steilfels über dem Zlaști-Fluss in Hunedoara, einer Industriestadt in Westtranssilvanien. Die Kapistranturm genannte Haupttürme, die weiträumige Rittersaal mit gotischen Kreuzrippengewölben und das Netzwerk überdachter Verbindungsgänge machen Corvin zu einem der eindrucksvollsten gotischen Komplexe Europas. Die Legende besagt, Vlad III. (Dracula) sei hier 7 Jahre eingekerkert gewesen — dokumentiert ist tatsächlich ein Aufenthalt von 1452 bis 1456. Hunedoara liegt 18 Kilometer von Deva entfernt; der nächste Flughafen ist Sibiu (SBZ).

4. Râșnov, Siebenbürgen

Râșnov (Rosenau) ist eine Bauernburg — eine befestigte Gemeinschaftsanlage, in der die gesamte Dorfbevölkerung bei Angriffen Zuflucht suchte. Die Anlage auf einem Kalksteinfelsen über dem Ort entstand schrittweise vom 13. bis 17. Jahrhundert und bietet Platz für die gesamte Gemeinde: Häuserreihen an der Innenmauer, eine Kapelle, Schule und Vorratsräume für die Belagerungszeit. Der legendäre Brunnen — rund 146 Meter tief — wurde laut Überlieferung von türkischen Kriegsgefangenen gegraben, die dafür die Freiheit versprochen bekamen. Râșnov unterscheidet sich grundlegend vom westeuropäischen Adelssitz: Es war keine Machtdemonstration eines einzelnen Lehnsherrn, sondern kollektives Überlebensinstrument einer Gemeinschaft. Das Citadell liegt weniger als 15 Kilometer von Brașov entfernt und lässt sich gut mit Bran kombinieren.

5. Făgăraș (Fogarasch), Siebenbürgen

Făgăraș ist die militärisch solideste Anlage dieser Liste: eine viereckige Ringburg mit breitem Wassergraben und Bastionen des 17. Jahrhunderts, errichtet auf Fundamenten des 14. Jahrhunderts durch die Herren von Făgăraș. Michael der Tapfere, der erste Fürst, der kurz im Jahr 1600 alle drei rumänischen Fürstentümer vereinte, residierte hier. Die polygonale Bastionstechnik italienischer Prägung, die den damaligen Stand der Artillerieverteidigung widerspiegelt, ist an Făgăraș besonders klar ablesbar. Während der kommunistischen Zeit diente die Burg als politisches Gefängnis; griechisch-katholische Bischöfe und andere Regimegegner saßen hier ein. Heute beherbergt die Anlage ein historisches Museum; Făgăraș liegt auf der Strecke zwischen Brașov und Sibiu, ideal für Burgenrundfahrten in Siebenbürgen.

6. Sighișoara (Schässburg), Siebenbürgen

Sighișoaras Altstadt ist keine Burg im engeren Sinne, sondern eine UNESCO-geschützte bewohnte mittelalterliche Zitadelle — ein siebenbürgisch-sächsisches Stadtensemble mit Befestigungsturm, gotischer Bergkirche und überdachter Schultreppe. Gegründet im 12. Jahrhundert von sächsischen Kolonisten, die vom ungarischen König zur Besiedlung der Grenzlande eingeladen worden waren, war Sighișoara ein bedeutendes Handels- und Handwerkszentrum. Neun der ursprünglich vierzehn Türme stehen noch; jede Zünft war für die Verteidigung eines Turms verantwortlich. Hier wurde Vlad III. Drăculea 1431 geboren; das Geburtshaus ist heute als Restaurant genutzt — der einzige dokumentierte direkte Zusammenhang zwischen Dracula und einem konkreten siebenbürgischen Ort. Die Zitadelle wird heute noch bewohnt, was sie zu einer der wenigen in Europa macht.

7. Schloss Cantacuzino, Bușteni

Cantacuzino in Bușteni im Prahova-Tal, zu Füßen der Bucegi-Berge, ist ein neogotisches Schloss des frühen 20. Jahrhunderts, 1911 bis 1913 für den Industriellen und Politiker Gheorghe Grigore Cantacuzino — „Nabobul", den Nabob — erbaut. Der Stil wird als neoromänisch bezeichnet: eine architektonische Nationalsprache, die aus moldauischen und walachischen Klosterbauten des 16. Jahrhunderts und der brâncovenesken Ornamentik entwickelt wurde. Das Schloss ist weniger bekannt als das benachbarte Peleș, aber in seiner Überfülle an Türmchen, Erkern und Veranden ein eigenständiges und reizvolles Beispiel des frühen rumänischen Nationalismus in Stein. Es liegt nur wenige Kilometer von Sinaia entfernt und kann gut kombiniert werden; heute dient es als Kulturzentrum und ist für Besucher zugänglich.

8. Schloss Bánffy, Bonțida

Das Schloss Bánffy in Bonțida, rund 30 Kilometer nordöstlich von Cluj-Napoca, war einst das prachtvollste Barockschloss Siebenbürgens — eine siebenbürgische Version von Versailles, im 16. bis 18. Jahrhundert durch die mächtige ungarische Adelsfamilie Bánffy errichtet. Im Zweiten Weltkrieg steckten abziehende deutsche Truppen und SS das Schloss 1944 in Brand, als die Eigentümer der Familie zu den Gegnern des Regimes zählten. Danach dem Verfall überlassen, wird die Ruine seit 2000 durch die Transylvania Trust Foundation mit europäischer Förderung restauriert. Das Projekt ist eines der ambitioniertesten Denkmalrettungsvorhaben Rumäniens; jährlich findet auf dem Gelände das Electric Castle Festival statt, das internationale Besucher anzieht und die Restaurierungsfinanzierung mitträgt.

9. Schloss Iulia Hasdeu, Câmpina

Das Schloss Iulia Hasdeu in Câmpina, rund 70 Kilometer nördlich von Bukarest im Prahova-Tal, ist das außergewöhnlichste der Liste: 1893 bis 1896 durch den Philologen und Historiker Bogdan Petriceicu Hasdeu als Gedenkmonument für seine mit 19 Jahren an Tuberkulose verstorbene Tochter Iulia errichtet, in einem synkretistisch-esoterischen Stil, der gotische, islamische und nationale Elemente verbindet. Hasdeu pflegte Spiritismus und behauptete, den Entwurf nach Anweisungen der verstorbenen Iulia aus dem Jenseits ausgeführt zu haben. Das Ergebnis ist eines der ungewöhnlichsten Bauwerke Rumäniens: ein kleines, zutiefst persönliches Monument voller okkulter Symbolik, das heute als Nationalmuseum zugänglich ist.

10. Schloss Sturdza, Miclăușeni

Das Schloss Sturdza in Miclăușeni, in der moldauischen Region Iași, ist ein gotischer Palastbau des 19. Jahrhunderts, 1880 bis 1904 durch die moldauische Adelsfamilie Sturdza im neogotischen Stil englischer Prägung errichtet. Mit seinem 55 Hektar großen Park, den Uhrentürmen und den viktorianisch inspirierten Innenräumen ist es das bedeutendste romantische Schloss der Moldau. Weitgehend unbekannt außerhalb Rumäniens, zeigt es den Historismus einer rumänischen Elite, die sich bewusst westeuropäischen Stilvorbildern anschloss. Nach der Nationalisierung 1948 diente es als Einrichtung; heute ist es Eigentum der Rumänisch-Orthodoxen Kirche und wird restauriert.

Siebenbürgisch-sächsische Wehrkirchen

Als Ergänzung für Reisende: Die über 150 befestigten Wehrkirchen der Siebenbürger Sachsen — in Biertan, Prejmer, Câlnic und Viscri — sind UNESCO-Welterbe und architektonisch einmalig. Jede Kirchengemeinde war verpflichtet, einen Abschnitt der Wehrkirche zu unterhalten; Biertan besitzt das komplexeste mittelalterliche Türschloss Europas mit 19 Bolzen. Diese Kirchenburgen liegen auf der Strecke zwischen den Hauptburgen und lassen sich gut kombinieren, insbesondere auf der Route zwischen Brașov, Sighișoara und Sibiu.

Reiseplanung

Die beste Reisezeit für Siebenbürgen ist Mai bis September; die Monate Juni und September bieten angenehme Temperaturen ohne die Hochsommerüberfüllung in Bran. Die Konzentration in Siebenbürgen — Corvin, Bran, Râșnov, Sighișoara, Făgăraș — macht die Region zur besten Burgentour-Destination Südosteuropas, mit Cluj-Napoca oder Brașov als optimalen Basen. Alle hier genannten Anlagen sind auf der interaktiven Karte eingetragen.