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Top 10 Burgen und Schlösser in Rumänien

Rumänien hat eine Burglandschaft, die Europa noch nicht vollständig entdeckt hat. Siebenbürgen allein besitzt Dutzende erhaltene mittelalterliche Burgen und über 150 befestigte siebenbürgisch-sächsische Wehrkirchen — eine Architekturform ohne Parallele in Europa, bei der Kirchengemeinden ihre Pfarrkirchen in befestigte Dorfzentralen verwandelten. Die zehn hier genannten Anlagen reichen von mittelalterlicher Wehrarchitektur bis zum Historismusprachtstück des 19. Jahrhunderts.

1. Schloss Peleș, Sinaia

Peleș ist das spektakulärste historistische Schloss Mitteleuropas — erbaut zwischen 1873 und 1914 für König Karl I. von Rumänien aus dem Haus Hohenzollern-Sigmaringen. Der deutsche Architekt Wilhelm von Doderer und sein Nachfolger Karel Liman entwarfen eine neorenaissance-neogotische Anlage in den Karpaten, die an Neuschwanstein erinnert, aber breiter, prächtiger und besser eingerichtet ist. Die 160 Räume mit Muranoglas, Waffensammlung und maurischem Rauchsalon sind vollständig erhalten. Peleș war von 1947 bis 1975 verstaatlicht und bis 1989 Ceaușescu-Residenz.

2. Bran Castle, Siebenbürgen

Bran auf einem Felsblock zwischen Siebenbürgen und der Walachei wurde 1377 von den Bürgern Kronstadts (Brașov) als Grenzzollburg errichtet. Die Verbindung mit Vlad III. ist historisch dünn: Er soll 1462 kurz gefangen gehalten worden sein. Bram Stoker kannte die Burg nicht; er orientierte sich für seinen Dracula-Roman von 1897 an einer Beschreibung der Karpaten aus dem Reiseführer von Charles Boner. Bran ist trotzdem eine der malerischsten Anlagen Rumäniens: viereckige Türme auf asymmetrischem Felsblock, kompakter Innenhof, dramatische Kulisse.

3. Corvin Castle (Hunedoara), Siebenbürgen

Corvin — Castelul Corvinilor — ist die prächtigste gotische Burg Rumäniens, erbaut ab 1440 durch Johann von Hunyadi (Iancu de Hunedoara), dem Gouverneur Ungarns und Siebenbürgens und Vater des späteren Königs Matthias Corvinus. Die Anlage vereint Bergfried, Zugbrücke, mehrere Türme und eine gotische Ritterkapelle auf einem Steilfels über dem Zlaști-Fluss. Die Legende besagt, Vlad III. (Dracula) sei hier 7 Jahre eingekerkert gewesen — dokumentiert ist tatsächlich ein Aufenthalt 1452 bis 1456.

4. Râșnov, Siebenbürgen

Râșnov (Rosenau) ist eine Bauernburg — eine befestigte Gemeinschaftsanlage, in der die Dorfbevölkerung bei Angriffen Zuflucht suchte. Die Anlage auf einem Felsriegel über dem Ort entstand schrittweise vom 13. bis 17. Jahrhundert und bietet Platz für die gesamte Gemeinde: Haus-Reihen an der Innenmauer, Brunnen, Kapelle. Ein Kind soll 17 Jahre gebraucht haben, den 145 Meter tiefen Brunnen zu graben — dafür bekam es die Freiheit.

5. Fagaraș (Fogarasch), Siebenbürgen

Fagaraș ist die militärisch solide Anlage in dieser Liste: Viereckige Ringburg mit Wassergraben und Bastionen des 17. Jahrhunderts, errichtet auf Fundamenten des 14. Jahrhunderts durch die Herren von Fagaraș. Michael der Tapfere, der erste Fürst, der kurz (1600) alle drei rumänischen Fürstentümer vereinte, residierte hier. Heute beherbergt die Anlage ein historisches Museum mit siebenbürgischen Sammlungen.

6. Sighișoara (Schässburg), Siebenbürgen

Sighișoaras Altstadt ist keine Burg im engeren Sinne, sondern eine UNESCO-geschützte bewohnte mittelalterliche Zitadelle — ein siebenbürgisch- sächsisches Stadtensemble mit Befestigungsturm, gotischer Bergkirche und Schultreppe. Hier wurde Vlad III. Drăculea 1431 geboren; das Geburtshaus ist als Restaurant genutzt. Die Zitadelle wird heute noch bewohnt — eine der wenigen in Europa.

7. Schloss Cantacuzino, Busteni

Cantacuzino in Bușteni in den Karpaten ist ein neogotisches Schloss des frühen 20. Jahrhunderts, 1911 bis 1914 für den Industriellen Gheorghe Grigore Cantacuzino — „Nabobul" — erbaut. Das Schloss ist weniger bekannt als Peleș, aber in seiner Überfülle an Türmchen, Erkern und Veranden ein noch extremeres Beispiel des rumänischen Historismus.

8. Iulia Hasdeu Castle, Câmpina

Das Schloss Iulia Hasdeu in Câmpina ist das außergewöhnlichste der Liste: 1893 bis 1896 durch den Philologen und Historiker Bogdan Petriceicu Hasdeu als Gedenkmonument für seine mit 19 Jahren verstorbene Tochter Iulia errichtet, in einem synkretistisch-esoterischen Stil, der gotische, islamische und nationale Elemente verbindet. Hasdeu pflegte Spiritismus und glaubte, mit der verstorbenen Iulia zu kommunizieren. Das Ergebnis ist eines der ungewöhnlichsten Bauwerke Rumäniens.

9. Schloss Bánffy, Bonțida

Das Schloss Bánffy in Bonțida bei Cluj-Napoca war einst das prachtvollste Barockschloss Siebenbürgens — eine siebenbürgische Version von Versailles, im 17. und 18. Jahrhundert durch die Adelsfamilie Bánffy errichtet. Im Zweiten Weltkrieg zogen deutsche Truppen und SS 1944 ab und steckten das Schloss in Brand. Die Ruine wird seit 2000 durch die Prince of Wales Foundation restauriert.

10. Schloss Sturdza, Miclăușeni

Das Schloss Sturdza in Miclăușeni ist ein gotischer Palastbau des 19. Jahrhunderts, 1880 bis 1904 durch die moldauische Adelsfamilie Sturdza errichtet. Weitgehend unbekannt außerhalb Rumäniens, zeigt es den Historismus einer rumänischen Elite, die sich bewusst europäischen Stilvorbildern anschloss.

Siebenbürgisch-sächsische Wehrkirchen

Als Randnotiz für Reisende: Die über 150 befestigten Wehrkirchen der Siebenbürger Sachsen — in Biertan, Prejmer, Câlnic, Viscri — sind UNESCO- Welterbe und architektonisch einmalig. Biertan besitzt das komplexeste mittelalterliche Türschloss Europas (19 Bolzen). Sie liegen auf der Strecke zwischen den Hauptburgen und lassen sich gut kombinieren.

Auf der Karte

Alle hier genannten Anlagen sind auf der interaktiven Karte eingetragen. Die Konzentration in Siebenbürgen — Corvin, Bran, Râșnov, Sighișoara, Fagaraș — macht die Region zur besten Burgentour-Destination Südosteuropas.