Top 10 Burgen und Kastelle in Italien

Italiens Burgenlandschaft ist so vielfältig wie die Geschichte des Landes selbst: normannisch-staufische Anlagen in Süditalien, norditalienische Stadtfestungen der Signorie, päpstliche Kastelbauten in Latium, venezianische Festungsanlagen in den Alpen. Ein einziger Stil oder eine Periode dominiert nicht — stattdessen spiegeln die Burgen Italiens die Zersplitterung in Stadtstaaten und wechselnde Fremdherrschaften über 700 Jahre wider.
1. Castello di Miramare, Triest
Miramare auf einem Felsvorgebirge über dem Golf von Triest ließ Erzherzog Maximilian von Österreich zwischen 1856 und 1860 als Privatresidenz bauen. Maximilian verließ Miramare 1864, um Kaiser von Mexiko zu werden, und kehrte nie zurück — er wurde 1867 durch ein Erschießungskommando Juárez' hingerichtet. Charlotte, seine Frau, lebte nach ihrer Rückkehr geistig zerrüttet bis 1927. Das Schloss steht in einem Meeresschutzpark; die vollständig erhaltene Einrichtung erzählt eine der dramatischsten Lebensgeschichten der Habsburger.
2. Castel del Monte, Apulien
Castel del Monte ist die architektonische Kuriosität des europäischen Mittelalters: ein perfekt oktogonales Kastell auf einem apulischen Hügel, erbaut 1240 bis 1250 unter Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen. Acht Seiten, acht Ecktürme — ebenfalls oktogonal — ein innerer oktogonaler Hof. Die Zahl acht, das Symbol der Unendlichkeit und der Vollkommenheit, war Friedrich II. offenbar am Herzen gelegen. Das Gebäude ist nie als reine Militäranlage erklärbar; es war Jagdschloss, Gefängnis und Selbstdarstellung des Kaisers, der sich als stupor mundi — Staunen der Welt — verstand. UNESCO-Welterbe seit 1996.
3. Castello Sforzesco, Mailand
Das Castello Sforzesco ist die größte erhaltene Burganlage Norditaliens. Die Visconti begannen den Bau 1368; die Sforza, die ihnen als Herzöge Mailands folgten, vollendeten es in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Bramante und Leonardo da Vinci arbeiteten am Hof der Sforza; Leonardo entwarf Teile der Deckendekoration für die Säle. Nach dem Ende der Sforza 1535 wurde das Kastell spanische und später österreichische Militärkaserne; Napoleon ließ es 1800 demolieren wollen. Die Restaurierung durch Luca Beltrami zwischen 1893 und 1905 rettete das heutige Stadtbild.
4. Castel Sant'Angelo, Rom
Castel Sant'Angelo begann als Mausoleum Hadrians um 135 n. Chr. und wurde im 5. Jahrhundert in eine Festung umgewandelt. Die Päpste verbanden es durch den Passetto di Borgo — einen erhöhten Fluchtgang — mit dem Vatikan. Klemens VII. floh hier 1527 während des Sacco di Roma durch die kaiserlichen Truppen Karl V. Heute verbindet eine Brücke über den Tiber das Kastell mit dem Stadtzentrum; das innere Museum zeigt päpstliche Gemächer des 16. Jahrhunderts.
5. Castello di Fénis, Aostatal
Fénis im Aostatal ist die am vollständigsten erhaltene mittelalterliche Festungsanlage der Westalpen. Die Challant-Familie, eine savoyische Adelsdynastie, baute den Kern im 14. Jahrhundert auf einem Felsvorsprung über der Dora Baltea. Die doppelte Ringmauer mit Halbturmbatterien ist gut erhalten; die Innenhof- Fresken aus dem späten 14. Jahrhundert zeigen eine vollständige ikonografische Sequenz mit dem heiligen Georg und Weisheitssymbolen, die zu den besten mittelalterlichen Wandmalereien Norditaliens gehören.
6. Castello di Verrès, Aostatal
Verrès, 10 Kilometer von Fénis entfernt, ist eine spätromanische Burg auf einem Felssporn über dem Dorf, erbaut 1390 bis 1395 durch Ibleto di Challant in der ungewöhnlich kurzen Bauzeit von sechs Jahren. Die Anlage ist singulärer als Fénis: ein einfacher quadratischer Block auf quadratischer Felsbasis, ohne dekorative Absichten, als reines Militärrefugium entworfen. Die Fensterlücken und die Dachterrasse mit Aussicht über das gesamte Aosta-Tal sind das Haupterlebnis.
7. Reggia di Caserta, Kampanien
Die Reggia di Caserta ist kein mittelalterliches Schloss, sondern der größte Palastbau Europas — 1200 Räume auf 47.000 Quadratmetern, erbaut 1752 bis 1845 für die Bourbon-Könige beider Sizilien als neapolitanisches Versailles. Architekt Luigi Vanvitelli orientierte sich explizit an Versailles und übertraf es im Maßstab. Der englische Landschaftsgarten des 19. Jahrhunderts mit Kaskaden und Fontänen ist separat zugänglich.
8. Castello Aragonese, Ischia
Das Aragonesische Kastell auf einem Basaltfelsen vor der Insel Ischia ist über eine 220 Meter lange Brücke von der Insel erreichbar. Der Fels war seit der griechischen Kolonisation bewohnt; die Aragonesen bauten den Brücken-Damm im 15. Jahrhundert. Alfonso I. von Aragon ließ 1441 die heutige Festungsanlage ausbauen. Das Kloster der Klarissen mit seiner bizarren Krypta — in der die Nonnen ihre verstorbenen Schwestern als Mahnung zur Vergänglichkeit sitzen ließen — ist das bekannteste Einzelelement.
9. Castello Estense, Ferrara
Das Castello Estense dominiert das Stadtzentrum von Ferrara — von vier Türmen umgebener Wassergrabenbau, 1385 von Niccolò II. d'Este als Reaktion auf einen Volksaufstand begonnen. Die Este, die Ferrara von 1264 bis 1598 beherrschten, machten ihren Hof zu einem der bedeutendsten Renaissancezentren Italiens; Ariost, Tasso und Boiardo wirkten hier. 1598 fiel Ferrara als Lehen an den Kirchenstaat; die Este verließen die Stadt dauerhaft. Das Schloss ist heute Sitz der Provinzverwaltung mit teilweiser Öffentlichkeit.
10. Rocca Calascio, Abruzzen
Rocca Calascio auf 1460 Metern im Gran-Sasso-Massiv ist die höchstgelegene Burg Italiens und eine der unberührtesten mittelalterlichen Ruinen des Landes. Der quadratische Bergfried stammt aus dem 10. Jahrhundert; der Mauerring mit vier Ecktürmen wurde im 15. Jahrhundert ergänzt. 1461 vernichtete ein Erdbeben das Dorf am Fuß der Burg; es wurde nie wieder aufgebaut. Ladyhawke (1985) wurde hier gedreht. Die Einsamkeit und die Bergpanorama-Lage machen Rocca Calascio zum eindrucksvollsten nicht-restaurierten Erlebnis in Italien.
Reisehinweise
Die apulischen und kampanischen Anlagen liegen in Tagesreichweite voneinander: Castel del Monte, Lecce und Matera bilden einen Süditalien-Bogen. Das Aostatal bietet Fénis, Verrès und mehrere weitere Challant-Burgen auf 60 Kilometer Taldistanz. Rocca Calascio liegt 2 Stunden von Rom. Alle Anlagen sind auf der interaktiven Karte nach Region filterbar.