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Prager Burg: Die Vollanalyse

Die Prager Burg ist nach dem Guinness-Buch der Rekorde die größte Burganlage der Welt: 70.000 Quadratmeter Fläche auf einem Felsplateau über der Moldau. Aber Hradschin ist weniger eine Burg im militärischen Sinne als ein ganzes Stadtquartier hinter Mauern — Kathedralen, Paläste, Klöster, Gärten und ein ganzes Gassennetz existieren innerhalb der Mauern.

Die böhmischen Fürsten und die erste Burg

Die erste Befestigung auf dem Hradschin entstand in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts unter den böhmischen Premysliden. Fürst Bořivoj soll hier die erste christliche Kirche in Böhmen geweiht haben. Die ältesten erhaltenen Bauteile stammen aus dem 10. bis 11. Jahrhundert; sie wurden bei Ausgrabungen im 20. Jahrhundert freigelegt und sind teilweise besichtigbar.

Karl IV. und der goldene Ausbau

Kaiser Karl IV. (1316–1378) transformierte Prag zur Kaiserresidenz und machte den Hradschin zum Zentrum des Heiligen Römischen Reiches. Unter seiner Regierung begann 1344 der Bau der gotischen Veitskathedrale, die erst 1929 vollendet wurde — ein Bauprozess von fast 600 Jahren. Karl ließ auch das Königspalais ausbauen und den Vladislav-Saal errichten, der zeitweise der größte überwölbte weltliche Raum nördlich der Alpen war.

Der Veitsdom

Der Veitsdom ist das bedeutendste gotische Bauwerk Böhmens und enthält die Grablege der böhmischen Könige und Kaiser. Die Wenzelkapelle über dem Grab des Landespatrons St. Wenzel ist mit Halbedelsteinen und gotischen Fresken ausgestattet und gehört zu den wertvollsten Innenräumen Mitteleuropas. Die Südfassade mit dem Mosaikbild des Jüngsten Gerichts aus dem 14. Jahrhundert ist eines der wenigen byzantinisch beeinflussten Kunstwerke der böhmischen Gotik.

Der Prager Fenstersturz 1618

Am 23. Mai 1618 wurden drei katholische Räte aus einem Fenster des Böhmischen Kanzleibaus auf dem Hradschin geworfen — aus 17 Metern Höhe. Alle drei überlebten; die Katholiken sprachen von einem Wunder, die Protestanten von einem Misserfolg. Der Zweite Prager Fenstersturz gilt als der Auslöser des Dreißigjährigen Krieges.

Die Goldene Gasse

Die Zlatá ulička — die Goldene Gasse — ist eine Zeile kleiner farbiger Häuser, die in die Burgmauer gebaut wurden. Die Geschichte ihrer Bewohner umfasst Burgmauerschützen, Handwerker und — im späten 19. Jahrhundert — Franz Kafka, der in Nummer 22 schrieb.

St.-Georgs-Basilika

Die St.-Georgs-Basilika neben dem Veitsdom ist die älteste erhaltene Kirche der Prager Burg. Das romanische Äußere des frühen 12. Jahrhunderts kontrastiert mit einem Barockgiebel des 17. Jahrhunderts — eine typische Prager Überlagerung. Im Innern sind romanische Säulen, Fresken und böhmische Skulpturen des Hochmittelalters zu sehen.

Die Wache und das Protokoll

Die tschechische Ehrenwache bewacht täglich die Eingangstore; Wachablösung ist mittags. Das Schlossgartensystem — Schlossgarten, Königlicher Garten, Hirschgraben — ist öffentlich zugänglich und im Frühling durch Tulpen und Obstbäume bemerkenswert schön.

Besucherstrategie

Die Prager Burg ist von der Malá Strana per Treppe oder mit dem Bus erreichbar; von der Kleinseite dauert der Fußweg etwa 20 Minuten. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten erfordern den Kauf eines Kombinationstickets. Frühe Morgenstunden sind deutlich ruhiger als die Touristenpeak-Zeit zwischen 10 und 15 Uhr.

Auf der Karte erkunden

Die Prager Burg ist auf der Karte öffnen eingetragen. Die Kartensicht zeigt die Lage über der Moldau und die anderen bedeutenden böhmischen Burgstandorte.