Edinburgh Castle: Die Vollanalyse
Edinburgh Castle auf seinem Basaltfelsen 80 Meter über der Stadt ist das definitive Bild Schottlands. Kein anderes Gebäude des Landes ist so sehr mit dem nationalen Selbstverständnis verknüpft. Und doch ist die Burg weniger geschlossen mittelalterlich, als sie auf den ersten Blick erscheint — sie ist ein Ensemble aus verschiedenen Jahrhunderten auf einem Felsen, der die Besiedlung 3000 Jahre zurückreicht.
Der Castle Rock: Geologie als Destiny
Der Castle Rock ist ein erloschener Vulkanpfropfen aus dem Karbon vor 350 Millionen Jahren, erosionsresistenter als das umgebende Gestein. Die Eiszeit formte ihn in seine heutige Gestalt: ein steiler Felsen auf drei Seiten, ein sanfter Abstieg nach Osten — the Royal Mile. Diese Geologie machte den Felsen automatisch zur stärksten Befestigungslage zwischen Forth und Tweed.
St. Margaret's Chapel: Ältestes Gebäude Edinburghs
Die St.-Margaret's-Kapelle aus dem frühen 12. Jahrhundert ist das älteste erhaltene Gebäude in Edinburgh. Königin Margaret von Schottland — heiliggesprochen 1250 — soll hier gebetet haben; tatsächlich ließ ihr Sohn David I. die Kapelle um 1130 als Gedenkstätte bauen. Das kleine romanische Gebäude überstand alle Belagerungen und Zerstörungen, weil es schlicht und kompakt genug war, um nicht der Schleifung zum Opfer zu fallen.
Die Rückeroberung 1313: Thomas Randolph
Edinburgh Castle wechselte im Schottischen Unabhängigkeitskrieg häufig die Seiten. 1313 führte Thomas Randolph, Graf von Moray, eine Gruppe von 30 Männern in einer Nachtaktion über die steilste Felswand — die als unklimmerbar galt — und überrumpelte die englische Besatzung. Robert the Bruce ließ die Burg danach schleifen, damit sie keinem Feind als Stützpunkt dienen konnte. Diese Taktik — Zerstörung statt Halten — war Bruces Standardstrategie.
Half Moon Battery und die Belagerung 1573
Die Half Moon Battery — die charakteristische Halbmondbatterie über dem Torweg — entstand nach der Belagerung von 1573, der längsten in der Geschichte Edinburghs. Lang-Fortis-Verteidiger hielten die Burg für Maria Queen of Scots gegen englische Belagerung zwei Jahre lang; erst Artillerie aus England überwand die mittelalterlichen Mauern. Die Batterie wurde als direktes Ergebnis dieser Erfahrung für die neue Artillerietechnik gebaut.
Die schottischen Kronjuwelen
Die Honours of Scotland — die ältesten erhaltenen Kronjuwelen der britischen Inseln — werden in der Crown Room ausgestellt. Die Krone (1540), das Zepter (1494/1536) und das Schwert (1507) sind alle älter als die englischen Kronjuwelen, die bei der Republik unter Cromwell eingeschmolzen wurden. Die Schottischen Kronjuwelen wurden 1651 in Dunnottar Castle verborgen, um sie vor Cromwells Truppen zu schützen.
Der Stein des Schicksals
Der Stein von Scone — der Krönungsstein der schottischen Könige — wurde 1296 von Eduard I. nach Westminster entführt und dort 700 Jahre als Krönungssitz verwendet. 1996 wurde er nach Edinburgh zurückgebracht und steht seither im Crown Room neben den Kronjuwelen. Er kehrt nach Westminster zurück, wenn britische Monarchen gekrönt werden.
Das Militär
Das Schloss ist bis heute aktiver Militärstandort der British Army. Die Tattoo-Veranstaltung auf dem Esplanade — das Edinburgh Military Tattoo — zieht jedes Jahr im August über 200.000 Zuschauer. Das National War Museum of Scotland und das Royal Scots Regimental Museum sind im Schloss untergebracht.
Besucherstrategie
Edinburgh Castle ist Schottlands meistbesuchte Sehenswürdigkeit. Tickets sollten vorab online gekauft werden; Vormittage unter der Woche sind ruhiger als Wochenenden. Der Aufstieg vom Grassmarket dauert 20 Minuten; von der Royal Mile ist es ein kurzer Weg. Die abendliche Illumination der Burg vom Princes Street Garden aus ist gratis.
Auf der Karte erkunden
Edinburgh Castle ist auf der Karte öffnen verzeichnet. Die Kartensicht zeigt den Kontext der schottischen Burglandschaft.