Top 10 Burgen in Schottland
Schottland hat pro Einwohner mehr Burgen als jedes andere Land Europas — über 3000 Anlagen in einem Land mit 5 Millionen Menschen. Die Erklärung liegt in der Geschichte: Jahrhundertelange Grenzlage zu England, interne Clankonflikte und der Widerstand gegen englische Expansion unter Eduard I. „Hammer der Schotten" haben eine Burgenlandschaft hinterlassen, die sich über jeden Landstrich des Landes erstreckt. Diese zehn Anlagen zeigen den vollen Bogen von Felsklippe bis Seeidyll.
1. Edinburgh Castle
Edinburgh Castle auf dem Schlottrumpf — einem erloschenen Vulkankegel — dominiert die schottische Hauptstadt seit dem 12. Jahrhundert. St. Margaret's Chapel aus dem frühen 12. Jahrhundert ist das älteste erhaltene Gebäude Edinburghs. Das Kastell war Schauplatz mehrerer englisch-schottischer Auseinandersetzungen; Eduard I. nahm es 1296 ein und Robert Bruce ließ es 1314 nach Bannockburn schleifen, um eine erneute englische Nutzung zu verhindern. Die Honours of Scotland — Krone, Zepter und Schwert — sind hier ausgestellt.
2. Stirling Castle
Stirling auf einem Basaltriegel über dem Forth war strategisch wichtiger als Edinburgh — wer Stirling hielt, kontrollierte die Verbindung zwischen Lowlands und Highlands. William Wallace besiegte 1297 die Engländer bei der Stirling Bridge; Bannockburn 1314 fand sieben Kilometer südlich statt. Der Palastblock, um 1538 durch Jakob V. in frühneuzeitlichem Renaissancestil gebaut, zeigt die Qualität der königlichen Holzmedaillons (Stirling Heads), von denen Replikate heute zu sehen sind.
3. Eilean Donan, Wester Ross
Eilean Donan auf einer kleinen Insel an der Einmündung dreier Lochs ist das meistfotografierte Schloss Schottlands und das Postkartenideal der romantischen Hochlandburg. Die mittelalterliche Anlage wurde 1719 im jakobinischen Aufstand gesprengt; der heutige Bau ist eine Rekonstruktion von 1912 bis 1932 durch Lt. Colonel John MacRae-Gilstrap, dessen Familie die Burg erwarb. Die Verbindungsbrücke zur Insel ist modern. Trotzdem ist das Erlebnis — Wasser, Berge, Stein — unvergleichlich.
4. Urquhart Castle, Loch Ness
Urquhart am Westufer des Loch Ness zieht jährlich mehr als 500.000 Besucher an — zu einem erheblichen Teil wegen des Sees und der Aussicht auf das Nessie-Habitat. Die Burg selbst ist historisch bedeutend: ab 1229 durch die Durward-Familie gebaut, 1296 durch Eduard I. eingenommen, 1509 an die Krone zurückgefallen, 1691 gesprengt, um Jakobiten die Nutzung zu verwehren. Der erhaltene Turm mit Aussicht über den See ist das Hauptbild.
5. Caerlaverock Castle, Dumfries
Caerlaverock in der Solway-Ebene ist die einzige dreieckige Burg Schottlands — ein Dreieck mit runden Ecktürmen, umgeben von doppeltem Wassergraben. Die englischen Truppen Eduards I. belagerten sie 1300 nach einem Aufwand, der im zeitgenössischen Poem „Le Siège de Karlaverock" dokumentiert ist. Der Renaissancewohnbau innerhalb des dreiecksförmigen Cortina-Walls aus dem 17. Jahrhundert zeigt, wie eine mittelalterliche Wehranlage zur Privatresidenz umgebaut wurde.
6. Dunnottar Castle, Aberdeenshire
Dunnottar auf einem Küstenplateau 60 Meter über der Nordsee nahe Stonehaven ist eine der dramatischsten Burgruinen Schottlands. Der einzige Zugang ist über einen Pfad am Steilfels; auf drei Seiten fällt der Fels senkrecht ins Meer. 1651 sicherten Bewohner die Honours of Scotland vor Cromwells Armee, indem sie die Insignien durch eine Belagerungslinie schmuggeln ließen. Mel Gibsons Hamlet (1990) wurde hier gedreht.
7. Glamis Castle, Angus
Glamis Castle ist seit dem 14. Jahrhundert im Besitz der Familie Lyon, der späteren Earls of Strathmore. Lady Elizabeth Bowes-Lyon, die spätere Königinmutter und Mutter der Queen Elizabeth II., wuchs hier auf. Shakespeares Macbeth ist explizit in Glamis verortet — und die Überlagerung von Tragödie und realer Burggeschichte hat Glamis seinen Ruf als „gespenstischste Burg Schottlands" eingebracht. Das Schloss in seiner heutigen Gestalt stammt wesentlich aus dem 17. Jahrhundert.
8. Inveraray Castle, Argyll
Inveraray am Loch Fyne ist das Campbell-Familienhaus — Herrenhaus der Dukes of Argyll seit dem 15. Jahrhundert, in der heutigen neogotischen Form 1745 bis 1790 durch Roger Morris und William Adam für den dritten Duke of Argyll gebaut. Der Turm trug historisch eher militärische Funktion; das heutige Schloss ist ein georgianischer Palast. Outlander- Drehort für die Campbell-Szenen.
9. Balmoral Castle, Aberdeenshire
Balmoral ist seit 1852 die private Sommerresidenz der britischen Königsfamilie. Prinz Albert kaufte das ursprüngliche Anwesen und ließ das heutige Schloss im Scottish-Baronial-Stil durch William Smith 1853 bis 1856 bauen. Im Gegensatz zu Sandringham und Windsor ist Balmoral privates Eigentum der Königsfamilie, nicht der Krone. Teile des Schlosses und der Grounds sind im Sommer zugänglich, wenn die Royals nicht in Residence sind.
10. Doune Castle, Stirlingshire
Doune bei Stirling wurde um 1400 durch Robert Stewart, Duke of Albany und Regent von Schottland, als persönliche Residenz gebaut. Das Schloss — gut erhaltener, nicht restaurierter Bergfried-Torhaus-Komplex — wurde 2014 durch die Outlander-Fernsehserie als Castle Leoch berühmt und zieht seither ein treues Fanpublikum an. Das eigentlich Bemerkenswerte: Doune ist als unrestauriertes Beispiel spätmittelalterlicher schottischer Architektur hervorragend erhalten.
Reiserouten
Edinburgh und Stirling sind per Bahn verbunden — ein Tagespaar. Eilean Donan, Urquhart und Inverness bilden eine Nord-Highland-Schleife. Dunnottar liegt auf der Küstenstraße zwischen Aberdeen und Dundee. Doune ist Tagesausflug von Edinburgh oder Stirling.
Auf der Karte
Alle zehn Burgen sind auf der interaktiven Karte eingetragen. Die Karte zeigt die Highland-Lowland-Verteilung — und macht sichtbar, warum Schottland aus Burgen besteht: Jede geografische Engstelle hatte ihre Befestigung.