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Top 10 Burgen und Schlösser in Portugal

Pena Palace, Sintra (UNESCO), Portugal
Photo: CEphoto, Uwe Aranas, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Portugal hat eine Burgendichte, die seiner Kleinfläche widerspricht: Über 800 registrierte Kastelle und Befestigungen auf 92.000 Quadratkilometern. Das liegt an der geografischen Frontlage — jahrhundertelang Grenzland zwischen christlichen Königreichen im Norden und al-Andalus im Süden — und an der frühen Konsolidierung des Königreichs, das ab 1143 systematisch Burgen als Verwaltungsmittelpunkte errichtete. Diese zehn reichen vom maurischen Hausberg bis zum Manuelino-Palast.

1. Palácio Nacional da Pena, Sintra (UNESCO)

Der Pena-Palast auf dem höchsten Gipfel der Serra de Sintra ist das vollständigste Beispiel des romantischen Historismus auf der Iberischen Halbinsel. König Ferdinand II. von Portugal — Gemahl der Königin Maria II. und Mitglied des Hauses Sachsen-Coburg-Gotha — ließ ihn zwischen 1842 und 1854 auf einem maurischen Wachturm und den Ruinen eines Hieronymitenklosters aus dem 16. Jahrhundert errichten. Der preußische Architekt Baron Wilhelm Ludwig von Eschwege kombinierte maurische, gotische, manuelinische und neo-romanische Elemente in einem absichtlich inkonsequenten Gesamtbild — das Gegenteil eines einheitlichen Stils. Die leuchtend gelb-ockerfarbenen und terrakottaroten Fassaden entsprechen der originalen Bemalung des 19. Jahrhunderts. Der Pena-Palast ist Teil des UNESCO-Kulturlandschafts Sintra (seit 1995) und das meistbesuchte kostenpflichtige Denkmal Portugals. Der Eintritt beträgt in der Hochsaison rund 14–20 Euro; eine Online-Buchung ist in den Sommermonaten (Juni–September) unbedingt zu empfehlen. Sintra liegt 40 Minuten per S-Bahn von Lissabon (Rossio oder Lissabon-Oriente) entfernt.

2. Castelo dos Mouros, Sintra (UNESCO)

Der Castelo dos Mouros auf den Sintra-Bergen stammt aus dem 8. bis 9. Jahrhundert und ist eine der wenigen erhaltenen maurischen Bergfestungen auf der Iberischen Halbinsel, die noch in situ besichtigt werden können. Die Maueranlage folgt dem Felsgrat über rund 450 Meter, ohne geometrisches Schema — nur die Topografie des Granitfelsens bestimmt den Verlauf. König Afonso Henriques nahm die Burg 1147 im Zuge der Reconquista ein und ließ sie zur christlichen Grenzfestung ausbauen. Ferdinand II. kaufte die Ruine 1840 und ließ die Wälder der Serra de Sintra wieder aufforsten, die heute als Naturpark geschützt sind. Von den Zinnen blickt man auf den Pena-Palast im Westen und bei klarem Wetter bis zum Atlantik im Süden. Der Eintritt kostet rund 10–14 Euro; Kombitickets mit dem Pena-Palast sind günstiger. Beste Reisezeit: Frühling (März–Mai) oder Herbst (Oktober–November) für angenehme Temperaturen und kürzere Warteschlangen.

3. Castelo de São Jorge, Lissabon

Der Castelo de São Jorge auf dem höchsten Hügel Lissabons war von der Eisenzeit bis in die arabische Periode durchgehend besiedelt und wurde nach der Einnahme durch Afonso Henriques 1147 — mit Unterstützung nordeuropäischer Kreuzfahrer, die auf dem Weg ins Heilige Land Zwischenstopp machten — zur königlichen Residenz der ersten portugiesischen Könige. Die Mauren hatten die Alcáçova auf diesem Hügel als Sitz des Gouverneurs von al-Ushbuna genutzt. Die heutigen Mauern und Türme stammen überwiegend aus dem 14. Jahrhundert unter König João I. Nach dem großen Erdbeben von 1755, das weite Teile Lissabons zerstörte, wurde die Burg als Militärkaserne genutzt. Archäologische Grabungen im Innenhof legten Siedlungsschichten aus der Eisenzeit, der römischen und der arabischen Periode frei. Der Eintritt beträgt rund 15 Euro; die Aussichtsplattform bietet den besten Panoramablick über den Tejo-Mündung und die Altstadt Alfama.

4. Castelo de Óbidos

Das Kastell von Óbidos ist die vollständigste erhaltene Burganlage Portugals: Stadtmauer, Türme und Bergfried des 12. bis 16. Jahrhunderts umschließen die gesamte mittelalterliche Kleinstadt. Die Ringmauer ist 1,5 Kilometer lang und kann vollständig abgegangen werden. Afonso Henriques nahm die Stadt 1148 von den Mauren; Sancho I. ließ die erste Erweiterung in Stein bauen. Die Überlieferung, dass Óbidos zur Morgengabe der Königinnen Portugals gehörte, beginnt mit König Afonso II. und seiner Gemahlin Urraca 1228 und wurde von mehreren Nachfolgern fortgesetzt. Das Kastell selbst ist heute eine Pousada-Luxusunterkunft; die Stadtmauern sind kostenlos begehbar. Der beste Reisemonat ist Oktober, wenn die Schnapskirschenernte (Ginja de Óbidos) gefeiert wird und die Touristenmassen des Hochsommers abgeklungen sind. Óbidos liegt rund 90 Kilometer nördlich von Lissabon — per Auto etwa eine Stunde.

5. Guimarães, Minho (UNESCO)

Guimarães gilt als Geburtsort der portugiesischen Nation. Afonso Henriques wurde hier nach Überlieferung um das Jahr 1109 geboren und führte 1128 die Batalha de São Mamede, die das Grafschaft Portucale von Léon ablöste und Portugal als unabhängiges Reich begründete. Der rechteckige Bergfried des 10. Jahrhunderts wurde ursprünglich von Gräfin Mumadona Dias als Schutz vor normannischen und arabischen Überfällen erbaut; Graf Heinrich von Burgund verstärkte die Anlage im frühen 12. Jahrhundert. Der Herzogpalast (Paços dos Duques) aus dem 15. Jahrhundert steht unmittelbar daneben. Die mittelalterliche Altstadt von Guimarães ist seit 2001 UNESCO-Welterbe. Der Eintritt zur Burg ist günstig (rund 2 Euro); die Kombination mit dem benachbarten Herzogpalast kostet etwas mehr. Guimarães liegt 50 Kilometer östlich von Porto und ist per Zug oder Bus in gut einer Stunde erreichbar.

6. Castelo de Almourol, Ribatejo

Almourol auf einem Felskopf inmitten des Tejo ist die romantischste Burg Portugals. Die vollständige Insellage — der Felsblock steht mitten im Fluss — macht die Burg nur per Boot erreichbar. Der Templer-Orden baute die Anlage 1171 unter Gualdim Pais, dem Provinzmeister des Ordens in Portugal, auf älteren maurischen und römischen Fundamenten. Der runde Hauptturm und die Ringmauer mit zehn Zwischentürmen sind vollständig erhalten. Almourol war die südlichste Templerburg an der Tejo-Linie und sicherte die Wasserroute in die christliche Kernzone. Boote fahren von beiden Ufern, von Vila Nova da Barquinha und Tancos; die Überfahrt kostet einige Euro. Almourol liegt rund 130 Kilometer von Lissabon und ist mit dem Zug bis Tancos erreichbar. Der Eintritt zur Burg ist frei.

7. Convento de Cristo, Tomar (UNESCO)

Das Convento de Cristo in Tomar ist die Hauptfestung und das Kloster des portugiesischen Templerordens und seines Nachfolgeordens der Christusritter. Gualdim Pais — derselbe Templer-Meister, der Almourol baute — gründete die Anlage 1160. Nach der Auflösung des Templerordens 1312 übernahm der neu gegründete Ordem de Cristo den Besitz; König Dinis I. und später Prinz Heinrich der Seefahrer nutzten die Einkünfte des Ordens zur Finanzierung der Entdeckungsfahrten. Die Charola — die kreisrunde Tempelkirche nach dem Vorbild der Grabeskirche in Jerusalem — ist der älteste erhaltene Teil, datiert ins 12. Jahrhundert. Die manuelinischen Kreuzgänge und das Kapitelsaalfenster, um 1510–1513 unter König Manuel I. errichtet, zählen zu den elaboriertesten Skulpturenschiffen der europäischen Architekturgeschichte: Korallenäste, Ankerketten, Meerespflanzen und Armillarsphären verschmelzen in einem Programm, das Reconquista und Entdeckerzeitalter in einem Bild zusammenfasst. UNESCO-Welterbe seit 1983. Eintritt rund 15 Euro; Tomar liegt 135 Kilometer von Lissabon und ist per Zug in etwa 1,5 Stunden erreichbar.

8. Marvão, Alentejo

Marvão ist ein Extremfall mittelalterlicher Geländenutzung: Das Dorf und seine Burg liegen auf einem Bergkamm im Alentejo auf 862 Metern Höhe, der auf drei Seiten senkrecht abfällt. Die Befestigungsanlage aus dem 13. und 14. Jahrhundert — König Dinis I. ließ sie 1299 ausbauen — umschließt das gesamte Dorf, so dass Burg und Stadt ein einziges Verteidigungssystem bilden. Die mittelalterliche Zisterne fasste rund 1.000 Kubikmeter Wasser und sicherte die Versorgung bei langen Belagerungen. Von den Zinnen sieht man Spanien in kaum fünf Kilometern Entfernung; der Blick über die alentejische Ebene und das spanische Extremadura ist einer der weitesten in Portugal. Marvão hat nur einige Hundert Einwohner und gehört zu den beeindruckendsten erhaltenen Bergdörfern Europas. Der Eintritt ist gering; ein Auto ist unbedingt nötig.

9. Castelo de Bragança, Trás-os-Montes

Die Burg von Bragança im äußersten Nordosten Portugals, nahe der spanischen Grenze, ist eine der besterhaltenen mittelalterlichen Burgstädte des Landes. Das hoch aufragende Torre de Menagem aus dem 15. Jahrhundert überragt eine vollständige Burgstadt mit Stadtmauern, Türmen und einer romanischen Kirche, die noch innerhalb der Mauern steht. Bragança gibt der Adelsfamilie ihren Namen, die von 1640 bis 1910 als portugiesisches Königshaus regierte. Die Burg liegt im Parque Natural de Montesinho, einem der wildsten Naturschutzgebiete Portugals. Der Eintritt ist günstig; Bragança liegt rund 540 Kilometer von Lissabon — die Anfahrt per Auto dauert etwa 6 Stunden oder man fliegt zum Flughafen Porto und fährt von dort weiter (rund 3,5 Stunden).

10. Castelo de Silves, Algarve

Silves war vom 8. bis zum 12. Jahrhundert die Hauptstadt des maurischen Algarve und eine der bedeutendsten islamischen Städte auf der Iberischen Halbinsel. Das Castelo de Silves ist aus rotem Sandstein (Grés de Silves) erbaut — dem charakteristischen Baumaterial der Region — und überragt die heutige Kleinstadt eindrucksvoll. Die Mauren bauten die Alcáçova im 8. Jahrhundert auf älteren römischen und karthagischen Strukturen aus; der Stadtumfang und die Kapazität der Anlage belegen, dass Silves (Xelb auf Arabisch) eine Bevölkerung von mehreren tausend Menschen hatte. Afonso I. nahm Silves 1189 mit Hilfe nordeuropäischer Kreuzfahrer ein, doch die Mauren rückten 1191 zurück; die endgültige portugiesische Einnahme erfolgte 1242. Der vollständige Mauergürtel, die Türme und die große Zisterne im Inneren sind außergewöhnlich gut erhalten. Eintritt rund 5 Euro; Silves liegt 15 Kilometer nördlich von Portimão im westlichen Algarve.

Reiserouten und Hinweise

Sintra ist 40 Minuten von Lissabon per S-Bahn (Bahnhof Rossio); Online-Tickets für Pena und Mouros im Sommer unbedingt vorbuchen. Óbidos liegt auf der Strecke nach Porto — ideal als Zwischenstopp. Der Alentejo-Dreiklang Marvão–Monsaraz–Estremoz erfordert ein Auto, bietet aber die ruhigste und landschaftlich schönste Burgentour des Landes. Tomar ist 1,5 Stunden per Zug von Lissabon erreichbar. Almourol: Zug bis Tancos, dann Fähre. Guimarães ist per Zug von Porto in einer guten Stunde zu erreichen. Alle zehn Anlagen sind auf der interaktiven Karte eingetragen — die geografische Verteilung folgt exakt den historischen Verteidigungslinien gegen arabische Expansion und kastilische Bedrohung.