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Top 10 Burgen und Schlösser in Polen

Polen ist in der europäischen Burgentouristik oft unterschätzt, obwohl es einige der außergewöhnlichsten Anlagen Europas besitzt: die größte Backsteinburg der Welt, eine der vollständigsten königlichen Residenzen Mitteleuropas und mehrere Adelsschlösser, die Westeuropa in Qualität und Erhaltungszustand übertreffen. Der Zweite Weltkrieg zerstörte Warschau und Danzig; Burgen auf dem Land überlebten häufig besser.

1. Marienburg (Malbork), Pommern

Die Marienburg — auf Polnisch Malbork — ist die größte Backsteinburg der Welt: 52 Hektar Fläche, 40.000 Quadratmeter bebauter Bereich. Der Deutsche Orden verlegte seinen Hauptsitz 1309 von Venedig hierher und baute die Anlage in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts zur Dreiteiler-Anlage aus: Hochburg, Mittelburg und Vorburg. Der Hochmeister, Hoch Komtur und Spital waren in separaten Funktionsgebäuden untergebracht. Die Polen unter Władysław II. Jagiełło nahmen die Burg 1457, nachdem söldner-Besatzungstruppen des Ordens sie aus Geldmangel verkauften. UNESCO-Welterbe seit 1997.

2. Wawel, Krakau

Wawel auf dem gleichnamigen Hügel über der Weichsel war von 1038 bis 1596 Residenz der polnischen Könige — der Piasten, Jagiellonen und Wasa-Könige. Die Anlage kombiniert eine gotische Kathedrale, in der fast alle polnischen Könige begraben sind, mit einem Renaissanceschloss, das nach einem Brand 1499 durch Sigismund I. den Alten unter Beteiligung florentinischer Architekten neu aufgebaut wurde. Der arkadenumrahmte Innenhof im lombardisch-polnischen Renaissancestil ist das eleganteste höfische Ensemble Mitteleuropas.

3. Schloss Książ, Schlesien

Książ bei Wałbrzych in Niederschlesien ist das drittgrößte Schloss Polens und ein Beispiel für Überformung durch mehrere Epochen: mittelalterlicher Kern des 13. Jahrhunderts, barocke Erweiterung des 17. bis 18. Jahrhunderts, neugotische Umbauten der Hochbergs im 19. Jahrhundert. Im Zweiten Weltkrieg ließ die SS-Organisation Todt unterirdische Stollen für das Projekt „Riese" graben — ein unvollendetes Untergrundnetzwerk, dessen Zweck bis heute ungeklärt ist. Die Stollen sind touristisch erschlossen.

4. Czocha, Niederschlesien

Czocha (deutsch: Tzschocha) auf einem Granitfelsen über dem Leśniański-See ist eine der malerischsten mittelalterlichen Burgen Schlesiens — 1241 erstmals erwähnt, im 15. und 16. Jahrhundert ausgebaut, 1909 bis 1913 durch den Berliner Bankier Ernst von Gutmann romantisch restauriert. Czocha ist heute teilweise Hotel und Tagungsstätte. Die alljährlichen Larper der Harry-Potter- Fans — die Burg als Hogwarts-Ersatz — bringen ungewöhnliches Publikum.

5. Łańcut, Karpatenvorland

Das Schloss Łańcut in der Woiwodschaft Karpatenvorland ist die prunkvollste Adelresidenz Polens, errichtet 1629 bis 1641 für Stanisław Lubomirski und im 18. Jahrhundert barock umgebaut durch Izabela Lubomirska, die es zum kulturellen Zentrum des Landes machte. Das Kutschenmuseum mit über 60 historischen Kutschen und die erhaltene barocke Theatereinrichtung sind in Polen singulär. 1944 ließ Alfred Potocki, der letzte Eigentümer, 11 Eisenbahnwaggons mit Kunstwerken nach Westen schaffen — ein Kapitel der Beutekunst-Geschichte.

6. Pieskowa Skała, Kleinpolen

Pieskowa Skała — Hundsfels — steht auf einem Jurakalk-Felsrücken im Krakauer Hochland und ist Teil des sogenannten Adlerhorst-Wegs, einer Kette von Burgen und Felsformationen zwischen Krakau und Tschenstochau. Der heutige Renaissancebau stammt aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts unter den Szafraniec-Herren; der Arkadengang des Innenhofs ähnelt dem Wawel. Das staatliche Museum zeigt europäische Malerei des 15. bis 18. Jahrhunderts.

7. Niedzica, Kleinpolen

Niedzica auf einem Felsblock über dem Czorsztyn-See ist die südlichste Burg Polens und ein eindrucksvoller Dreiteiler-Bau: obere Burg des 14. Jahrhunderts, mittlere und untere Anlage späterer Perioden. Die Bedrouhi-Legende — angeblich verstecktes Inca-Gold im Fundament, niedergelegt durch einen peruanischen Nachkommen der letzten Inca-Königin — ist eine literarische Erfindung, die aber seit dem 19. Jahrhundert aktiv kolportiert wird. Das Stauseegelände ermöglicht eine Anreise per Boot.

8. Lidzbark Warmiński, Ermland

Das Bischofsschloss von Lidzbark Warmiński war Residenz der Bischöfe von Ermland und gilt als das am besten erhaltene gotische Schloss im historischen Preußen. Nikolaus Kopernikus lebte hier von 1503 bis 1510 als Sekretär seines Onkels, Bischof Łukasz Watzenrode. Der Kreuzgang mit seinen Sterngratgewölben und die Wappenhalle sind außergewöhnlich erhalten.

9. Czersk, Masowien

Czersk 40 Kilometer südlich von Warschau war von 1233 bis 1413 Residenz der Herzöge von Masowien und eine der wichtigsten Burgen der Region; nach der Vereinigung Masowiens mit Polen 1526 verlor sie an Bedeutung. Die Ruine — drei Türme und Mauerreste — bietet eine der panoramatischten Aussichten des masowischen Flachlandes. Czersk ist wenig besucht und gut für einen Halbtagsausflug aus Warschau.

10. Krzyżtopór, Heiligkreuzgebirge

Krzyżtopór bei Ujazd ist das größte Schlossruinen-Ensemble Polens und eine der größten Barockanlagen Europas — erbaut 1627 bis 1644 für Krzysztof Ossoliński, 49 Jahre nach Vollendung durch schwedische Truppen 1655 zerstört und seither Ruine. Das Schloss hatte angeblich 365 Fenster, 52 Räume, 12 Säle und 4 Türme — ein Jahr, ein Kalender. Die Ruine gibt durch ihre Größe und den Verfallsgrad eine Ahnung von dem, was der reichste Adel des Frühbarocks in Ostmitteleuropa für möglich hielt.

Reiserouten

Malbork liegt auf der Bahn-Strecke Danzig–Warschau; Wawel und Pieskowa Skała sind Tagesausflüge von Krakau. Łańcut erreicht man von Rzeszów. Das südliche Burgcluster — Niedzica, Czorsztyn, Dunajec-Schlucht — eignet sich für ein Wochenende im Tatra-Vorland.

Alle auf der Karte

Jede hier genannte Anlage ist auf der interaktiven Karte verzeichnet. Die Karte zeigt die schlesische Burgenkette, den Adlerhorst-Weg und den Ermland-Cluster als drei verschiedene Reiseregionen.