Schloss Frederiksborg: Dänemarks Renaissance-Wasserschloss in Hillerød
Rund dreißig Kilometer nördlich von Kopenhagen, in der Stadt Hillerød, erhebt sich ein Schloss aus rotem Backstein und hellem Sandstein aus einem See auf drei kleinen Inseln. Schloss Frederiksborg wurde vor allem im frühen siebzehnten Jahrhundert für König Christian IV. errichtet, an der Stelle eines älteren Gutes, das schon sein Vater besessen hatte, und wurde so zum größten Ausdruck dänischer Renaissance-Baukunst. Heute dient das Gebäude nicht mehr als königlicher Wohnsitz, sondern beherbergt das Nationalhistorische Museum, dessen Sammlung die Geschichte Dänemarks anhand von Porträts, Möbeln und Innenräumen erzählt. Die Silhouette aus Kupfertürmchen und Treppengiebeln, die sich im stillen Wasser des Slotssøen spiegelt, zählt zu den meistfotografierten Ansichten des Landes.
Der Ehrgeiz eines Königs nimmt Gestalt an
Das Gelände gehörte der dänischen Krone schon bevor Christian IV. geboren wurde, und der Überlieferung nach kam der König dort im Jahr 1577 zur Welt. Sein Vater, Frederik II., hatte das Gut, damals als Hillerødsholm bekannt, von einem Adligen erworben und als Jagdsitz genutzt. Christian IV., der sechs Jahrzehnte regierte und mehr dänische Bauwerke prägte als vielleicht jeder andere Monarch, gab sich nicht mit einem bescheidenen Herrenhaus zufrieden. Etwa ab 1600 und über rund zwei Jahrzehnte hinweg ließ er einen Großteil des älteren Baus abtragen und an seiner Stelle einen gewaltigen Schlosskomplex errichten, der Reichtum und Selbstbewusstsein der dänischen Monarchie auf dem Höhepunkt ihrer nordeuropäischen Macht zum Ausdruck bringen sollte. Dänemark kontrollierte damals wichtige Handelswege durch den Öresund, und die daraus fließenden Einnahmen finanzierten ein ehrgeiziges Bauprogramm in vielen Städten und Festungen des Königreichs, dessen bekanntestes Beispiel Frederiksborg wurde. Auch andere Schlösser und Befestigungen im ganzen Land tragen bis heute die Handschrift dieser Epoche, doch keines von ihnen erreichte je den Umfang und den Symbolwert, den Christian IV. seinem Wasserschloss bei Hillerød verlieh.
Bauen auf dem Wasser
Was Frederiksborg so unverwechselbar macht, ist seine Lage. Statt eines einzigen Baublocks erstreckt sich das Schloss über drei durch Brücken und Dämme verbundene Inselchen, wobei der Zugang bewusst so gestaltet wurde, dass Besucher den See überqueren, bevor sie den Hauptschlosshof erreichen. Der Baustil wird oft als holländische Renaissance oder Christian-IV.-Renaissance bezeichnet und ist geprägt von roten Backsteinmauern, Sandsteinverzierungen, hohen Treppen- und Volutengiebeln sowie schlanken, kupferbedeckten Türmen. Baumeister und Architekten aus der Familie van Steenwinckel, holländischer und flämischer Herkunft, prägten die Gestaltung maßgeblich, und ihr Einfluss zeigt sich in den Fassaden, Portalen und Zierelementen, die sich frei bei der zeitgenössischen Architektur der Niederlande bedienen und dennoch unverkennbar dänisch in Maßstab und Anspruch bleiben. Besucher nähern sich dem Schloss noch heute weitgehend so wie Gäste vor vier Jahrhunderten, über mehrere Brücken und durch Torhäuser und Höfe hindurch, bevor sich die volle Breite des Hauptgebäudes zeigt. Dieser inszenierte Zugang diente ebenso der Wirkung auf ankommende Würdenträger wie der Kontrolle der Bewegung innerhalb der Anlage.
Die Schlosskirche und die Krone
Zu den ältesten und am besten erhaltenen Teilen der Anlage gehört die Schlosskirche, im frühen siebzehnten Jahrhundert geweiht und vom späteren Brand, der große Teile des übrigen Gebäudes zerstörte, weitgehend verschont. Rund anderthalb Jahrhunderte lang wurden hier dänische Monarchen gesalbt, was die Kirche zur Krönungskirche der absoluten Monarchie machte. Sie beherbergt zudem die Kapelle des Elefantenordens, des höchsten dänischen Ritterordens, deren Wände und Decke mit den Wappenschilden der über die Jahrhunderte ernannten Ritter geschmückt sind. Das reich verzierte Innere mit seinen dunklen Eichenemporen, vergoldetem Schmuck und der historischen Orgel vermittelt Besuchern einen der klarsten erhaltenen Eindrücke davon, wie das Schloss zu Christian IV. Zeiten ausgesehen haben muss.
Der Rittersaal und königlicher Glanz
Über der Schlosskirche liegt der Rittersaal, ein langer Zeremoniensaal, der einst königlichen Bankettes, Unterhaltungen und Staatsanlässen diente. Größe und Ausstattung sollten es mit den prächtigsten Sälen des europäischen Festlands aufnehmen, mit einer aufwendig gestalteten Decke, Wandteppichen und einem Bodenmuster, das die Geometrie der Decke widerspiegelt. Vieles von dem, was Besucher heute sehen, ist das Ergebnis sorgfältiger Restaurierung im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert, denn die ursprüngliche Ausstattung des Saals und ein Großteil der Decke gingen bei dem Brand verloren, der das Schloss heimsuchte. Dennoch bleibt der Saal einer der eindrucksvollsten Räume des Gebäudes und erinnert daran, wie zentral Frederiksborg einst für das zeremonielle Leben des dänischen Hofes war.
Brand und Wiedergeburt
Im Dezember 1859 brach im Schloss ein Feuer aus, das sich rasch durch die hölzernen Innenräume fraß und weite Teile des Gebäudes zerstörte, während die Schlosskirche verschont blieb. Das Unglück ereignete sich während der Regierungszeit Frederiks VII. und drohte, eines der bedeutendsten historischen Bauwerke Dänemarks zur Ruine werden zu lassen. Der Wiederaufbau wurde vor allem durch das Eingreifen von J. C. Jacobsen möglich, dem Braumeister, der Carlsberg gründete und erhebliche Mittel bereitstellte. Er setzte sich dafür ein, dass das Schloss nicht einfach als Privatresidenz, sondern als öffentliche Einrichtung im Dienst der nationalen Geschichte wiederhergestellt wurde. Seine Unterstützung war entscheidend dafür, was aus Frederiksborg in den folgenden Jahrzehnten werden sollte.
Ein Museum der Nation
Aus diesem Wiederaufbau ging das Nationalhistorische Museum hervor, das im späteren neunzehnten Jahrhundert im Schloss eröffnet wurde und es seither bewohnt. Das Museum erzählt die Geschichte Dänemarks vor allem durch Porträtmalerei und ordnet seine Säle in einer weitgehend chronologischen Abfolge, die von der Zeit Christian IV. über spätere Jahrhunderte bis in die jüngere Geschichte reicht. Könige, Königinnen, Staatsmänner, Künstler und einfache Bürger erscheinen an den Wänden nebeneinander, begleitet von Möbeln, kunstgewerblichen Gegenständen und historischen Innenräumen, die den Porträts ihren zeitlichen Rahmen geben. Das Ergebnis ist weniger ein klassisches Kunstmuseum als ein Gang durch die dänische Geschichte selbst, inszeniert in genau jenen Räumen, in denen sich ein großer Teil dieser Geschichte abspielte.
Der Barockgarten
Jenseits des Sees und der Schlossgebäude liegt der Barockgarten, der im frühen achtzehnten Jahrhundert unter König Frederik IV. am Hang gegenüber der Hauptfassade angelegt wurde, nachdem dieser auf seinen Reisen von französischen und italienischen Gartenanlagen beeindruckt gewesen war. Seine Terrassen, geschnittenen Hecken, Kiesparterres und Wasserspiele wurden so entworfen, dass man sie vom Schloss aus bewundern konnte, ein formaler Gegenpol zu Wasser und Backstein darunter. Der Garten verfiel im Lauf der folgenden Jahrhunderte und wurde im zwanzigsten Jahrhundert weitgehend nach seinem ursprünglichen Entwurf wiederhergestellt. Er ist bis heute ein beliebter Ort für einen Spaziergang nach dem Museumsbesuch und bietet einige der schönsten Blicke über den See zurück zu den Türmen und Spitzen des Schlosses. Auch die schmalen Uferwege und kleineren Gartenanlagen entlang des Sees laden dazu ein, das Schloss aus Blickwinkeln zu betrachten, die sich vom förmlichen Zugang über den Hauptdamm deutlich unterscheiden.
Auf der Karte
Schloss Frederiksborg steht innerhalb einer weiteren Landschaft dänischer und skandinavischer Festungen und königlicher Residenzen, von denen jede ihre eigene Geschichte aus Bau, Zerstörung und Erneuerung hat. Wie es sich geografisch zu anderen Burgen und Schlössern in Dänemark und darüber hinaus verhält, lässt sich auf der interaktiven Karte entdecken, auf der Festungen nach Region, Epoche und Baustil durchsucht werden können.