Die 10 wichtigsten Burgen und Schlösser der Schweiz
Die Burgenlandschaft der Schweiz spiegelt ihre Geografie und ihre politische Geschichte. Das Land liegt am Knotenpunkt Europas — kontrolliert die Alpenpässe zwischen Italien, Deutschland, Frankreich und Österreich — und die hier errichteten Burgen waren strategische Stützpunkte im mittelalterlichen Ringen um diese Routen. Die hier entstandenen Dynastien (allen voran die Habsburger, deren Stammsitz im Aargau steht) und die lokalen Mächte, die sich ihnen später widersetzten (die Alte Eidgenossenschaft ab 1291), haben ein geschichtetes Festungserbe hinterlassen: Feudalburgen, städtische Zitadellen und Alpenwarttürme. Alle Standorte auf der interaktiven Karte.
1. Schloss Chillon, Genfersee
Chillon, auf einem kleinen Felsen am Ostende des Genfersees bei Montreux, ist das meistbesuchte Baudenkmal der Schweiz und eines der weltweit am häufigsten fotografierten Schlösser. Der Standort ist seit der Bronzezeit befestigt; das heutige Ensemble — drei Höfe, der grosse Saal, die Kapelle und der Bergfried am See — stammt im Wesentlichen aus dem 13. Jahrhundert unter den Grafen von Savoyen. Lord Byrons Gedicht The Prisoner of Chillon (1816) verewigte François de Bonivard, einen Prior, der im 16. Jahrhundert sechs Jahre lang im Kellerverlies angekettet war. Architektonische Vollständigkeit und Seelage machen Chillon zum Inbegriff des Schweizer Erbeschlosses.
2. Die drei Burgen von Bellinzona, Tessin
Die drei Burgen Bellinzonas — Castelgrande, Montebello und Sasso Corbaro — bilden zusammen mit der Murata, der Sperrmauer quer durch das Tessintal, ein UNESCO-Welterbe (2000). Vom Spätmittelalter bis ins 15. Jahrhundert errichtet und ausgebaut, um den strategischen Zugang aus Italien zu den Schweizer Alpenpässen zu kontrollieren, bilden sie das vollständigste mittelalterliche Befestigungssystem der Alpen. Castelgrande, auf einem Felsen mitten in Bellinzona, ist die älteste und grösste; Montebello liegt östlich darüber; Sasso Corbaro thront am höchsten auf dem südlichen Grat.
3. Schloss Habsburg, Aargau
Schloss Habsburg, auf einer niedrigen Anhöhe über dem Aaretal im Kanton Aargau, ist der dynastische Stammsitz des Hauses Habsburg — der Familie, die später römisch-deutsche Kaiser, Könige von Spanien und Herrscher Österreichs stellte. Die Burg wurde um 1020 von Radbot, Graf von Klettgau, gebaut; die Familie nahm ihren Namen von der Burg. Im 14. Jahrhundert verliessen die Habsburger den Sitz, nachdem Eidgenössische Kräfte sie aus der Region verdrängt hatten; heute ist es ein bescheidenes Wohnturm- Schloss mit Museum. Die Diskrepanz zwischen der bescheidenen Burg und der von ihr ausgegangenen Weltdynastie ist eine der eindrücklichsten Tatsachen der europäischen Geschichte.
4. Schloss Lenzburg, Aargau
Lenzburg, auf einem Hügel über der gleichnamigen Stadt in der Zentralschweiz, ist eine der ältesten und am besten erhaltenen Höhenburgen des Landes. Der romanische Bergfried stammt aus dem 11. Jahrhundert; Palas, Kapelle und weitere Bauteile wurden vom 13. bis ins 17. Jahrhundert von wechselnden Eigentümern (Habsburg, Bern, Privatleute) hinzugefügt. Heute beherbergt das Schloss das Kantonsmuseum Aargau mit Sammlungen zur Schweizer Geschichte und ist Schauplatz kultureller Veranstaltungen, darunter ein grosses Literaturfestival.
5. Schloss Greyerz (Gruyères), Freiburg
Greyerz, oberhalb des gleichnamigen mittelalterlichen Dorfes im Saanetal, war vom 13. bis ins 16. Jahrhundert Sitz der Grafen von Greyerz. Das Schloss enthält einen bemerkenswerten Zyklus romantischer Wandmalereien von Camille Corot und Barthélemy Menn — einer der bedeutendsten Beiträge der Romantik in der Schweiz. Das Dorf darunter, mit seiner einzigen Strasse aus mittelalterlichen Häusern und der Verbindung zum gleichnamigen Käse, ist eine der meistbesuchten Erbestätten im Kanton Freiburg.
6. Munot, Schaffhausen
Der Munot, auf einem Hügel über der mittelalterlichen Rheinstadt Schaffhausen, ist die ungewöhnlichste Renaissancefestung der Schweiz — ein einzelner kreisrunder Bergfried mit überdachter Ringmauer, zwischen 1564 und 1589 nach Ideen aus Albrecht Dürers theoretischer Befestigungsschrift errichtet. Die Anlage ist ein einzigartiger Versuch, Dürers geometrische Verteidigungsprinzipien in einem realen Bauwerk umzusetzen. Im Graben der Festung lebt ein Damwildgehege; die Plattform des Bergfrieds bietet einen Panoramablick auf Rhein und Altstadt.
7. Burgen von Sitten: Valère und Tourbillon, Wallis
Sitten (Sion), die Kantonshauptstadt des Wallis, besitzt zwei mittelalterliche Burgen auf benachbarten Hügeln über der Stadt. Valère, auf dem niedrigeren Hügel, beherbergt eine romanische Basilika mit einer Orgel aus dem 14. Jahrhundert — der ältesten noch spielbaren Orgel der Welt — und das Kantonsmuseum. Tourbillon, auf dem höheren Hügel, ist die Ruine der bischöflichen Burg aus dem 13. Jahrhundert, 1788 durch Brand zerstört und nie wieder aufgebaut. Gemeinsam verleihen die beiden Höhen Sitten eine der charakteristischsten mittelalterlichen Stadtsilhouetten im Alpenraum.
8. Schloss Spiez, Thunersee
Schloss Spiez, auf einer in den Thunersee ragenden Halbinsel im Berner Oberland, ist eines der pittoreskesten Schlösser der Schweiz. Der Bergfried stammt aus dem späten 12. Jahrhundert; die umliegenden Palastflügel und die romanische Kirche neben dem Schloss wurden im Mittelalter und in der frühen Neuzeit hinzugefügt. Heute ist es ein Museum; die Seeterrasse bietet die klassische Aussicht auf Eiger, Mönch und Jungfrau jenseits des Sees.
9. Festung Aarburg, Aargau
Aarburg, auf einem Felsenvorsprung über der Aare, ist einer der grössten Festungskomplexe der Schweiz. Ursprünglich eine mittelalterliche Burg der Grafen von Frohburg, wurde sie im 17. Jahrhundert von Bern als Staatsfestung und Gefängnis massiv ausgebaut; die Bastionärbefestigungen und die schiere Grösse machen sie zu einer der eindrucksvollsten frühneuzeitlichen Befestigungen des Landes. Im 20. Jahrhundert diente sie weitgehend als Jugendstrafanstalt, bevor sie teilweise für die Öffentlichkeit zugänglich wurde.
10. Schloss Tarasp, Engadin
Tarasp, auf einem kegelförmigen Felsen über dem Inntal im Unterengadin, ist eines der spektakulärsten Schlösser der Schweizer Alpen. Die mittelalterliche Burg der Herren von Tarasp wurde anfang des 20. Jahrhunderts durch den Industriellen Karl August Lingner restauriert und blieb bis 2016 in Privatbesitz, ehe sie der Künstler Not Vital erwarb. Die Lage auf 1.500 Metern Höhe vor den Engadiner Alpen verleiht dem Schloss eine selbst für Schweizer Verhältnisse seltene Abgeschiedenheit.
Entdecken auf der Karte
Die Schweizer Burgenlandschaft — entlang von Aare und Rhein im Norden, Genfer- und Thunersee im Westen, Wallis im Süden und Tessin im äussersten Süden — ist vollständig auf der interaktiven Karte verzeichnet. Die Kompaktheit des Landes erlaubt eine mehrteilige Burgenrundfahrt auch im langen Wochenende.