Top 10 Burgen und Schlösser in Schweden
Die schwedische Schlosslandschaft ist von der Großmachtperiode des 17. Jahrhunderts geprägt, als Schweden eine der führenden Militärmächte Europas war und ein Ostseeimperium von Norddeutschland bis Finnland kontrollierte. Die Schlösser rund um Stockholm und den Mälarsee spiegeln diesen Aufstieg wider; die Festungen der Küste und des Südens erzählen von der strategischen Logik dieser Periode. Darunter liegen ältere mittelalterliche Schichten — Burgen entlang der wechselnden dänisch-schwedischen Grenze, Festungen zur Kontrolle strategischer Wasserstraßen. Diese zehn Anlagen decken das ganze Spektrum ab.
1. Drottningholm, Stockholm
Drottningholm auf einer Mälarsee-Insel ist die Hauptresidenz der schwedischen Königsfamilie und eines der vollständigsten Barockschloss- ensembles Nordeuropas. Nicodemus Tessin der Ältere begann den Bau 1662 für Königinwitwe Hedvig Eleonora; sein Sohn Nicodemus Tessin der Jüngere vollendete ihn und fügte den formalen Barockgarten nach Versailler Vorbild hinzu. Das Schloss, der Chinesische Pavillon von 1763 — ein Geschenk König Adolfs Fredrik an Königin Lovisa Ulrika —, das Schlosstheater von 1766 — das noch mit Originalmaschinen der Bühnentechnik bespielbar ist — und der Barockgarten bilden ein Ensemble ohne Gleichen in Nordeuropa. Die Königsfamilie bewohnt einen Flügel; der Besucher kann den Staatsbereich besichtigen. UNESCO-Welterbe seit 1991. Mit dem Linienboot von Stockholm im Sommer in ca. 50 Minuten erreichbar, ganzjährig per Bus.
2. Gripsholm, Mariefred
Gripsholm auf einer Halbinsel im Mälarsee bei Mariefred ist ein Renaissanceschloss, das Gustav Vasa 1537 auf den Fundamenten einer älteren Burg errichten ließ — der erste große Monumentalbau der Vasa-Dynastie, die Schweden aus der Kalmarer Union geführt hatte. Die vier charakteristischen Rundtürme mit ihren roten Ziegelwänden und kupfernen Kuppeln sind von weitem erkennbar. Das Schloss beherbergt das schwedische Nationalporträtmuseum mit über 4.000 Portraits aus dem 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart — von mittelalterlichen Königen bis zu zeitgenössischen schwedischen Prominenten. Das Schlosstheater im Inneren wurde unter Gustav III. eingebaut und ist eine der ältesten erhaltenen Theaterbühnen Schwedens. Im Sommer per Dampfschiff ab Stockholm in etwa 3,5 Stunden erreichbar; ganzjährig per Bahn nach Läggesta und dann 3 km Fußweg oder Taxi.
3. Kalmar Slott, Kalmar
Kalmar ist eine der bedeutendsten erhaltenen Renaissancefestungen Schwedens und eines der am vollständigsten restaurierten Schlösser Skandinaviens. Die mittelalterliche Rundburg auf einer kleinen Insel zwischen dem Festland und Öland kontrollierte den Kalmarsund — eine der wichtigsten Meeresstraßen des mittelalterlichen Ostseeraums. Hier wurde 1397 die Kalmarer Union geschlossen, die Dänemark, Norwegen und Schweden unter einer Krone vereinte. Im 16. Jahrhundert bauten die Vasa-Könige Johan III. und Karl IX. die mittelalterliche Festung zu einem prächtigen Renaissancepalast um. Die Fresken, Wandteppiche, Kassettendecken und rekonstruierten Staatsräume — Schlafzimmer von König und Königin, die Goldene Halle, die Kapelle — sind außergewöhnlich gut erhalten. Kalmar liegt an der Bahnlinie nach Malmö; die Strecke durch Småland ist eine der reizvollsten Schwedens.
4. Vadstena Slott, Vadstena
Vadstena am östlichen Vätternufer verbindet zwei außergewöhnliche Baudenkmäler: die Renaissance-Burg Gustav Vasas — eine der frühesten Renaissanceanlagen Schwedens, begonnen 1545 als südliches Bollwerk und Kornkammer — und das nahegelegene Birgittakloster, die Mutterkirche des Birgittenordens, gegründet von der Heiligen Birgitta von Schweden im 14. Jahrhundert. Die vier massiven Rundtürme der Burg spiegeln sich im Vättern; das Kloster auf dem Hügel dahinter macht Vadstena zum vielleicht eindrücklichsten Doppeldenkmal der schwedischen Nationalgeschichte — Militärgewalt und geistliche Macht Seite an Seite. Die Stadt ist kaum verändert und wirkt wie ein Freilichtmuseum der Renaissance- und Mittelalterzeit. Vadstena ist per Bus von Linköping oder Motala erreichbar; Tagesausflug ab Stockholm möglich.
5. Läckö Slott, Vänersee
Läckö auf einer Felsinsel im Vänern, Schwedens größtem See, ist ein weißes Barockschloss mit dramatischer Wasserlage. Ursprünglich eine mittelalterliche Bischofsresidenz der Bischöfe von Skara, wurde es im 17. Jahrhundert vom Reichsmarschen und Feldmarschall Magnus Gabriel de la Gardie zum repräsentativsten Barockschloss Westschwedens ausgebaut. De la Gardie war einer der mächtigsten und verschwenderischsten Adligen der schwedischen Großmachtzeit; seine Prachtentfaltung in Läckö wurde zum Inbegriff barocker Hofkultur. Die gemalten Säle, die Schlosskirche und die Seelage auf dem Fels machen Läckö zum romantischsten Schloss Schwedens. Im Sommer finden auf dem Schlosshof Open-Air-Konzerte und Theateraufführungen statt. Erreichbar per Fähre von Lidköping oder mit dem Auto.
6. Bohus Fästning, Kungälv
Bohus auf einer Felseninsel im Göta-Älv-Delta bei Kungälv ist die bedeutendste Grenzfestung Skandinaviens — gegründet vom norwegischen König Håkon V. um 1308 an einem strategisch unübertroffenen Punkt, wo die heutige Grenze zwischen Schweden und Norwegen mit dem Göta älv und dem Nordre älv zusammentrifft. Die Burg wechselte durch Kriege und Verträge mehr als ein Dutzend Mal zwischen Norwegen, Schweden und Dänemark. Nach dem Frieden von Roskilde 1658 und der endgültigen Zuschlagung der Provinz Bohuslän an Schweden verlor Bohus seine Funktion und verfiel. Die heute sichtbaren mächtigen Ruinen — Bergfried, Kurtinen, Bastionen — vermitteln eine lebhafte Vorstellung von der Anlage zu ihrer Blütezeit im 14. bis 17. Jahrhundert. Bohus liegt 15 km nördlich von Göteborg und ist mit dem Bus leicht erreichbar.
7. Örebro Slott, Örebro
Örebro auf einer Insel im Svartå-Fluss mitten in der Stadt ist eine mittelalterliche Burg, die in der Renaissancezeit zur Schlossanlage ausgebaut wurde. Die Anlage hat eine besonders ereignisreiche Geschichte: Hier tagte der schwedische Reichstag mehrfach im 16. und frühen 17. Jahrhundert. Karl X. Gustav wurde hier 1622 geboren. Die Wahl Jean-Baptiste Bernadottes — des späteren Königs Karl XIV. Johann — zum schwedischen Kronprinzen erfolgte auf dem Reichstag zu Örebro 1810. Heute ist das Schloss Sitz der Regionalbehörde Örebro läns landsting und für Führungen geöffnet. Die Kulisse — vier Rundtürme spiegeln sich im Stadtfluss — ist eine der markantesten städtischen Schlosssilhouetten Schwedens. Örebro liegt an der Hauptbahnlinie Stockholm–Göteborg.
8. Stockholms Slott (Kungliga slottet)
Das Königliche Schloss Stockholm ist die offizielle Residenz des schwedischen Monarchen und mit 600 Räumen eines der größten Schlösser der Welt. Der Vorgängerbau — der mittelalterliche Tre Kronor-Palast — brannte 1697 vollständig nieder; an seiner Stelle errichtete Nicodemus Tessin der Jüngere von 1697 bis 1760 das heutige Barockschloss, eines der größten Bauprojekte in der Geschichte Schwedens. Der Schlossbau zog sich über mehrere Jahrzehnte; erst unter Gustav III. wurden alle Räume fertiggestellt und eingerichtet. Das Schloss beherbergt die Staatsakten der schwedischen Könige, das Skatzkammer-Museum, das Gustav III. Antikenmuseum und das Tre-Kronor-Museum über den mittelalterlichen Vorgängerbau. Der Wachwechsel auf dem Innenhof ist täglich um 12:15 Uhr (13:15 Uhr sonntags). Das Schloss liegt im Herzen Stockholms auf Gamla Stan, zu Fuß von den wichtigsten Sehenswürdigkeiten.
9. Skokloster Slott, Uppsala
Skokloster am Mälarsee, 60 Kilometer nordwestlich von Stockholm, ist ein barockes Schloss, das zwischen 1654 und 1676 für den Feldmarschall und Reichsadmiral Carl Gustav Wrangel gebaut wurde — und nie vollständig fertiggestellt wurde. Das hat einen unerwarteten, welthistorisch einzigartigen Vorteil: Ein Raum im Obergeschoss wurde mit dem Werkzeug, den Materialien und den halbfertigen Arbeiten stehen gelassen, als der Bau 1676 beim Tod Wrangels eingestellt wurde. Dieser konservierte Bauzustand des 17. Jahrhunderts ist ein einzigartiges handwerkliches und historisches Dokument. Skokloster besitzt außerdem eine der größten Privatwaffensammlungen Europas aus der Großmachtzeit sowie bedeutende Kunstsammlungen. Das Schloss ist heute Staatsbesitz und Staatsmuseum. Im Sommer per Boot vom Mälarsee erreichbar; ganzjährig per Bus ab Uppsala oder Bålsta.
10. Uppsala Slott, Uppsala
Uppsala-Schloss auf einem Hügel über der Universitätsstadt ist ein mächtiger Renaissancebau, den Gustav Vasa 1549 begann. Als Sitz des Gouverneurs der Provinz Uppsala und Stützpunkt zur Kontrolle der Erzdiözese war es ein politisches Gegenstück zum nahe gelegenen Erzbischofssitz. Hier fand 1567 die sogenannte „Sturemorden" statt, bei der Erik XIV. in einem Anfall von Wahnsinn die hochadligen Brüder Sture und andere Adlige ermorden ließ — eines der dunkelsten Kapitel der schwedischen Geschichte. Im Dreißigjährigen Krieg leiteten von hier schwedische Könige die diplomatische und militärische Strategie. Die Burg beherbergt heute das Uppsala Konstmuseum sowie das Vasaborg-Museum über die Geschichte des Schlosses. Uppsala liegt 70 Kilometer nördlich von Stockholm und ist in 40 Minuten per Pendelzug erreichbar — Schloss und Universität bilden einen der eindrücklichsten Stadtbilder Schwedens.
Planungshinweise für Schweden
Drottningholm und Gripsholm sind von Stockholm aus leicht erreichbar: Drottningholm im Sommer per Linienboot, ganzjährig per Bus; Gripsholm im Sommer per Dampfschiff, ganzjährig per Bahn nach Läggesta. Kalmar liegt an der Hauptbahnlinie nach Malmö — Fahrtzeit ab Stockholm ca. 2,5 Stunden. Vadstena ist per Bus von Linköping erreichbar. Bohus liegt 15 km nördlich von Göteborg und ist mit dem Bus gut erreichbar. Örebro liegt an der Hauptstrecke Stockholm–Göteborg. Uppsala ist in 40 Minuten per Pendolzug ab Stockholm erreichbar. Für Skokloster empfiehlt sich Kombination mit Uppsala oder Sigtuna. Die Museen in schwedischen Königsschlössern haben typischerweise von Mai bis September täglich geöffnet; in der Nebensaison sind die Öffnungszeiten eingeschränkt.
Auf der Karte erkunden
Alle schwedischen Anlagen auf der Karte öffnen. Die Konzentration um den Mälarsee spiegelt das historische Machtzentrum Schwedens wider — Stockholm, Uppsala, Gripsholm, Skokloster und Drottningholm liegen alle innerhalb von 60 Kilometern voneinander.