Top 10 Burgen in Irland
Irland hat eine außergewöhnliche Burgenlandschaft — über 30.000 registrierte Strukturen, von verfallenen Turm-Häusern in Feldern bis zu normannischen Ringburgen und anglonormannischen Hauptfestungen. Die normannische Invasion ab 1169 — angeführt von Strongbow, Earl of Pembroke, im Auftrag des vertriebenen Leinster-Königs Diarmait Mac Murchada — hinterließ eine Schicht von Steinburgen, die Irland bis dahin nicht kannte. Diese zehn Anlagen decken das Spektrum ab.
1. Blarney Castle, Cork
Blarney Castle ist wegen des Blarney Stone berühmt — eines Kalksteinblocks in der Brüstung des Bergfrieds, dem der Volksglauben Redegewandtheit verleiht. Die eigentliche Anlage ist eindrucksvoller als ihr touristisches Image: Der erhaltene Bergfried aus dem Jahr 1446 gehört zu den massivsten Turmbauten Munsters. Erbaut durch Cormac Laidir MacCarthy, Herrscher von Muskerry, steht er in einem weitläufigen Gartenpark. Den Stein zu küssen erfordert, kopfüber über die Brüstung zu lehnen — assistiert.
2. Bunratty Castle, Clare
Bunratty Castle an der Mündung des Ratty in den Shannon-Ästuar ist einer der am besten erhaltenen irischen Burgbauten und der vollständigst eingerichtete. Die heutige Anlage wurde 1425 von der Familie MacNamara errichtet; die Earls of Thomond, die Ó Briain-Dynastie, besaßen sie von 1500 bis 1712. Die Innenausstattung mit Originalmöbeln des 15. bis 17. Jahrhunderts und flämischen Gobelins ist singulär in Irland. Das angeschlossene Folk Park rekonstruiert ein irisches Dorf des 19. Jahrhunderts — gut für Familien.
3. Cahir Castle, Tipperary
Cahir Castle auf einer Felsinsel im Suir ist das größte befestigte mittelalterliche Schloss Irlands. Die Butlers of Ormond erbauten die Hauptanlage im 15. Jahrhundert auf normannischen Fundamenten des 13. Jahrhunderts. 1599 ergab sich Cahir nach nur einem dreitägigen Beschuss durch die Artillerie des Earl of Essex — ein früher Beleg für die militärische Veraltung irischer Steinburgen gegen Schießpulver. Der Film Excalibur (1981) wurde hier gedreht.
4. Rock of Cashel, Tipperary
Der Rock of Cashel ist keine Burg im defensiven Sinne, sondern ein Felsplateau mit einer vollständigen mittelalterlichen kirchlichen Anlage: Rundturm aus dem 11. Jahrhundert, Cormacs Kapelle (1127 bis 1134, die bedeutendste romanische Kirche Irlands), gotische Kathedrale und Bischofspalast. Cashel war Sitz der Könige von Munster; Brian Boru, der Hochkönig Irlands, wurde hier 1101 zum Schutzpatron der Kirche.
5. Dunluce Castle, Antrim
Dunluce Castle auf einem Basaltvorgebirge über dem Nordatlantik gehört zu den dramatischsten Burgruinen Europas. Erbaut durch die McQuillan-Familie im 14. Jahrhundert und später durch die MacDonnells ausgebaut, war es von 1177 bis 1690 bewohnt — bis 1639 ein Teil der Küche ins Meer stürzte, was die Bewohner zur Aufgabe veranlasste. Die Verbindung zur Felsenküste besteht über eine schmale Brücke; der Burghügel ist auf drei Seiten von senkrechten Basaltklippen umgeben.
6. Trim Castle, Meath
Trim Castle ist der größte normannische Burgbau Irlands und das vollständigste erhaltene Beispiel der anglonormannischen Militärarchitektur auf der Insel. Hugo de Lacy begann den Bau 1176 auf Befehl Heinrichs II.; der kreuzförmige Bergfried mit seinen vier rechteckigen Türmen ist in Europa ohne Parallele. Mel Gibsons Braveheart (1995) wurde in Trim gedreht, obwohl der Film in Schottland spielt. Geführte Innenraumtouren täglich.
7. Dublin Castle
Dublin Castle war von 1204 bis 1922 der Sitz der britischen Verwaltung Irlands — über 700 Jahre die physische Verkörperung kolonialer Macht. Der erhaltene Record Tower stammt aus dem frühen 13. Jahrhundert; der Rest des sichtbaren Schlosses ist georgianisch (18. Jahrhundert). Im Keller sind Reste des ursprünglichen normannischen Grabens sichtbar. 1922 übergab der letzte britische Lord Lieutenant die Schlüssel an Michael Collins.
8. Kilkenny Castle
Kilkenny Castle an der Nore war von 1391 bis 1935 im Besitz der Butlers of Ormond — 544 Jahre in einer Familie. Die heutige Anlage ist eine Mischung aus normannischem Grundriss (12. Jahrhundert), mittelalterlichen Türmen und umfangreichen viktorianischen Umbauten; das Haupthaus wurde 1826 durch William Robertson stark verändert. 1967 erwarb die Stadt Kilkenny das Schloss für symbolische 50 Pfund; es ist heute täglich geöffnet.
9. Ross Castle, Kerry
Ross Castle auf einer Halbinsel im Loch Leane nahe Killarney ist ein typisches irisches Turmhaus des späten 15. Jahrhunderts, der Clan- Residenz der O'Donoghues und später der O'Sullivans. Es war die letzte Burg in Munster, die 1652 vor cromwellischen Truppen fiel — wegen einer Prophezeiung, die besagte, es könne nur vom Wasser aus fallen; die Parlamentstruppen brachten Boote, und der Besatzung ergab sich.
10. Ashford Castle, Mayo
Ashford Castle am Lough Corrib ist kein mittelalterliches Schloss, sondern ein viktorianisches Grand Hotel in einem neogotischen Schloss des 19. Jahrhunderts — erbaut durch die de Burgos und später ausgebaut durch die Guinness-Familie. Es erscheint in dieser Liste, weil es das vollständigste Bild zeigt, was das viktorianische Ireland aus mittelalterlichen Bauvorlagen machte: komfortabler Luxus in Burgarchitektur, mit Falknerei und Angelführern.
Regionen und Reiserouten
Die östlichen Burgen — Dublin, Trim, Kilkenny — sind per Bahn erreichbar. Die Westküste erfordert ein Auto: Dunluce liegt auf dem Antrim-Coastal- Road-Ausflug, Cahir und Cashel auf dem Weg zwischen Dublin und Killarney. Der Wild Atlantic Way verbindet Ross Castle und Galway-Region. Irland ist zu groß, um alle zehn in einem Ausflug zu kombinieren.
Auf der Karte
Alle hier genannten Burgen sind auf der interaktiven Karte eingetragen. Die Karte zeigt die hohe Dichte im Tipperary-Limerick-Korridor und die Isolation der Nordküstenanlagen — zwei sehr unterschiedliche Reiseerfahrungen.