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Top 10 Burgen und Schlösser in Tschechien

Prague Castle, Prague, Czechia
Photo: Mirek256, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Tschechien besitzt eine der höchsten Burgen- und Schlossdichten Europas: über 2000 Anlagen, verteilt auf Böhmen und Mähren. Das liegt an einer ungewöhnlichen dynastischen Kontinuität — die Přemysliden, die Luxemburger und die Habsburger haben alle in Böhmen massiv gebaut — und an der relativen Schonung durch den Zweiten Weltkrieg, der Westeuropa stärker zerstörte als Böhmen. Das Ergebnis ist ein Reiseland mit Burgen in außergewöhnlichem Zustand.

1. Prager Burg (Pražský hrad), Prag

Die Prager Burg ist die größte Burganlage der Welt nach Flächenmaß — 70.000 Quadratmeter innerhalb der Mauern. Die erste Burganlage entstand im 9. Jahrhundert unter den Přemysliden; der heutige Komplex überlagert romanische, gotische, Renaissance- und barocke Bausubstanz. Der Veitsdom, ab 1344 von Karl IV. als Luxemburger König begonnen, ist das prominenteste Bauwerk. Die Prager Burg ist Residenz des tschechischen Präsidenten; weite Teile sind täglich geöffnet.

2. Karlštejn, Böhmen

Karl IV. ließ Karlštejn 1348 als Schatzkammer für die Reichskleinodien und als spirituelles Rückzugszentrum errichten — kein Militärschloss, sondern eine Sakralburg. Der Aufbau ist streng hierarchisch: untere Burg für die Hofhaltung, Marienturm für die kaiserlichen Gemächer, Großturm mit der Heilig-Kreuz-Kapelle für die Reliquien. Die Heilig-Kreuz- Kapelle mit ihrem vollständigen Goldfarbenentwurf von Meister Theodoricus (1365 bis 1367) ist das bedeutendste erhaltene mittelalterliche Innenraumensemble Mitteleuropas. Führungen müssen Monate im Voraus gebucht werden.

3. Český Krumlov, Südböhmen

Český Krumlov überragt eine Mäanderschleife des Flusses Vltava auf einem Felsen und zeigt 300 Jahre Baugeschichte ohne dominante Zäsur: Gotisch, Renaissance, Barock überlagern sich zu einem einheitlichen Bild. Die Rosenberger, die die Anlage ab 1302 besaßen, bauten den Renaissancetrakt; die Eggenberger ergänzten das Barock-Theater mit vollständiger Bühnenmaschinerie. UNESCO-Welterbe seit 1992. Die Innenstadt unter der Burg ist kleinstädtisch und eng; frühe Anreise oder Übernachten in Krumlov empfehlenswert.

4. Konopiště, Böhmen

Konopiště 40 Kilometer südlich von Prag war das Privatschloss Erzherzog Franz Ferdinands, des 1914 in Sarajevo ermordeten österreichischen Thronfolgers. Er ließ es zwischen 1887 und 1906 umbauen und füllte es mit einer der größten privaten Waffensammlungen Europas sowie einer umfassenden Rosengarten-Anlage. Die Inneneinrichtung ist unverändert: Man sieht das Jagdtrophäen-Depot eines habsburgischen Erzherzogs exakt so, wie er es hinterließ.

5. Křivoklát, Böhmen

Křivoklát in der Waldeinsamkeit westlich von Prag war eine der Lieblingsresidenzen der Přemysliden und später der Luxemburger. Karl IV. wurde hier 1316 in Gefangenschaft geboren; der böhmische König Wladislaw II. ließ den gotischen Trakt um 1493 errichten. Die Burgkapelle mit ihren spätgotischen Gewölben und die Bibliothek gehören zu den am wenigsten veränderten gotischen Innenräumen Böhmens.

6. Pernštejn, Mähren

Pernštejn in den mährischen Wäldern gilt als die am besten erhaltene gotische Burg Tschechiens. Die Herren von Pernštejn, eine mährische Adelsfamilie, bauten die Anlage ab 1285 sukzessive aus und verteidigten sie durch ein ausgeklügeltes Labyrinth von Vorhöfen und Zugangssperren. Die Burg wurde nie durch Belagerung eingenommen. Der spätgotische Frauentrakt mit seinen Netzgewölben ist das architektonische Hauptstück.

7. Bouzov, Mähren

Bouzov wurde ab 1895 durch den Deutschen Orden restauriert und im Stil des romantischen Historismus ausgebaut — der Deutsche Orden, der seit dem Wiener Kongress nur noch geistlicher Orden war, wollte eine repräsentative Residenz. Das Ergebnis ist eine der komplettest-erscheinenden mittelalterlichen Burgen Tschechiens, die aber zu einem großen Teil aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert stammt. Die Unterscheidung ist für das Besuchserlebnis weniger wichtig als für den Historiker.

8. Lednice, Mähren

Lednice — zusammen mit dem benachbarten Valtice UNESCO-Welterbe seit 1996 — ist kein mittelalterliches Schloss, sondern ein neogotisches Lichtenstein-Schloss des frühen 19. Jahrhunderts in einem 283 Quadratkilometer großen Landschaftspark. Die Kombination aus neogotischen Schlossbauten, Minarett, Landschaftsparkarchitektur und Weingärten macht den Lednice-Valtice-Komplex einzigartig. Burgenfreunde, die mittelalterliche Substanz suchen, werden in Bouzov oder Pernštejn glücklicher.

9. Hluboká nad Vltavou, Südböhmen

Hluboká ist das tschechische Antwort auf Windsor Castle: ein neogotischer Umbau von 1840 bis 1871 durch den Fürsten Johann Adolf II. von Schwarzenberg nach englisch-neogotischem Vorbild. Das Ergebnis ist spektakulär photographierbar und zeigt, was das 19. Jahrhundert für mittelalterlich hielt. Die Sammlung der Schwarzenberger — Gemälde, Gobelins, Waffen — ist im Inneren ausgestellt.

10. Loket, Böhmen

Loket auf einem Granitsporn über dem Eger-Knie ist eine der am vollständigsten erhaltenen mittelalterlichen Stadtburganlagen Böhmens. Der romanische Bergfried aus dem späten 12. Jahrhundert, die gotischen Ergänzungen des 14. Jahrhunderts und die städtische Integration — die Burg war Teil der Stadtmauer — machen Loket zu einem kompakten Gesamtbild. Goethe besuchte Loket 1806 und 1820 und bezeichnete es als das romantischste Städtchen, das er kenne. Die Burg diente phasenweise als Gefängnis; die erhaltene Hinrichtungsstätte ist Teil der Führung.

Wie tschechische Burgen besucht werden

Tschechische Burgen und Schlösser werden meist durch den Staat verwaltet (Národní památkový ústav) und bieten mehrere Führungsrouten an — Route 1 für die Haupträume, Route 2 für Spezialthemen. Ohne Führung sind Innenräume in der Regel nicht zugänglich; Führungen auf Englisch sind in den Hauptsaison-Monaten an großen Anlagen verfügbar, in der Nebensaison und an kleineren Burgen oft nur auf Tschechisch.

Regionen und Reiserouten

Prag, Karlštejn und Křivoklát lassen sich in einem Dreitagesausflug kombinieren, da alle drei per Bahn von Prag erreichbar sind. Český Krumlov liegt nahe Linz und Salzburg — ein Kombinationsausflug aus Österreich ist realistisch. Pernštejn und Bouzov in Mähren sind Tagesausflüge von Brünn aus.

Alle auf der Karte

Jede hier genannte Anlage ist auf der interaktiven Karte eingetragen. Tschechien zeigt auf der Karte eine besonders hohe Dichte — wer nach einem Wochenende sucht, das sechs Burgen in Bahnreichweite bietet, findet es in Böhmen.