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Top 10 Burgen und Schlösser in Tschechien

Prague Castle, Prague, Czechia
Photo: Mirek256, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Tschechien besitzt eine der höchsten Burgen- und Schlossdichten Europas: über 2.000 Anlagen verteilt auf Böhmen und Mähren. Das liegt an einer ungewöhnlichen dynastischen Kontinuität — Přemysliden, Luxemburger und Habsburger haben alle in Böhmen massiv gebaut — und an der relativen Schonung durch den Zweiten Weltkrieg, der Westeuropa deutlich stärker traf als Böhmen. Das Ergebnis ist ein Reiseland mit Burgen in außergewöhnlichem Erhaltungszustand, viele davon mit vollständiger Originalausstattung. Die zehn wichtigsten sind alle auf der Karte eingetragen.

1. Prager Burg (Pražský hrad), Prag

Die Prager Burg ist die größte Burganlage der Welt nach Flächenmaß — 70.000 Quadratmeter auf einem Hügelzug über der Moldau, 570 Meter von Ost nach West. Die erste Befestigung entstand um 870 unter dem Přemysliden Fürsten Bořivoj; was heute sichtbar ist, entstand über dreizehn Jahrhunderte: romanische Palastteile aus dem 10. und 11. Jahrhundert, gotische Anbauten aus der Zeit Ottokars II., und dann das gewaltige Bauprogramm Karls IV. aus dem 14. Jahrhundert.

Der Veitsdom — ab 1344 von Karl IV. begonnen, mit dem französischen Architekten Matthias von Arras als erstem Baumeister — ist das zentrale Bauwerk. Der Westabschluss wurde erst 1929 fertiggestellt; der Dom war also knapp 600 Jahre im Bau. Die Wenzelkapelle, vollendet 1367, ist mit über 1.300 Halbedelsteinen in vergoldetem Mörtel verkleidet. Der Vladislavsaal im Königspalast, 1502 fertiggestellt und 62 Meter lang, war der größte weltliche Saalbau Mitteleuropas seiner Zeit — groß genug für Ritterspiele zu Pferde.

Der Zugang zum Burgareal ist kostenlos; das Innenprogramm (Dom, Königspalast, St.-Georgs-Basilika) kostet etwa 250–350 CZK. Die Hauptsaison läuft von April bis Oktober; Sommergedränge ist ab 9 Uhr erheblich, frühes Kommen empfiehlt sich. Aus dem Stadtzentrum Prags ist die Burg mit der Tram 22 direkt erreichbar; der Fußweg von der Kleinseite dauert etwa 15 Minuten bergauf.

2. Karlštejn, Böhmen

Karl IV. ließ Karlštejn ab 1348 nicht als militärische Festung, sondern als Sakralburg bauen — eine in Stein gemeißelte spirituelle Hierarchie. Der Aufbau ist streng gestuft: die Unterburg für Hofhaltung und Besatzung, der Marienturm für die kaiserlichen Gemächer, der Große Turm an der Spitze mit der Heilig-Kreuz-Kapelle als Allerheiligsten der Anlage. Die Kapelle ist vollständig mit Goldstuck, Halbedelsteinen und 129 Tafelbildern ausgestattet, die Meister Theodoricus zwischen 1357 und etwa 1365 malte. Diese Bilder — schwere, frontal gestellte Heiligenfiguren auf Goldgrund — bilden den bedeutendsten erhaltenen gotischen Tafelbildzyklus Mitteleuropas.

Karlštejn liegt 30 km südwestlich von Prag, mit der Regionalbahn ab Praha Smíchov oder Hauptbahnhof in etwa 40 Minuten zu erreichen; der Fußweg vom Bahnhof zur Burg durch das Dorf dauert weitere 20 Minuten. Der Eintritt in die Unterburg kostet rund 100–150 CZK; der Besuch der Heilig-Kreuz-Kapelle erfordert eine separate gebuchte Führung (ca. 200–300 CZK Aufpreis), die in der Hochsaison Wochen im Voraus ausgebucht ist. Geöffnet April bis Oktober, montags geschlossen.

3. Burg Český Krumlov, Südböhmen

Burg Český Krumlov steht auf einem Felsens in einer Moldauschlinge rund 25 km südlich von České Budějovice. Fünf Höfe, 40 Gebäude und der runde Schmuckturm mit Trompe-l'oeil-Rustizierung aus um 1590 machen sie nach der Prager Burg zum zweitgrößten Burgkomplex Böhmens. Die Familie Vítkovci hielt das Gelände seit etwa 1240; 1302 übernahmen es die Rosenberger, die es bis 1602 besaßen, dann folgten die Eggenberger und schließlich die Schwarzenberger.

Das Barocktheater, um 1680 eingerichtet und mit vollständiger Bühnenmaschinerie, Originalkulissen und Kostümen bis heute erhalten, ist eines der besterhaltenen Barocktheater Europas. Der Bärengraben — ein Trockengraben an der Südseite der Burg, der seit dem 16. Jahrhundert mit Bären besetzt ist — wird bis heute bewohnt. Das UNESCO-Welterbe von 1992 umfasst sowohl die Burg als auch die historische Unterstadt.

Von Prag aus verkehren direkte Busse (ca. 3 Stunden); von České Budějovice dauert der Bus rund 30 Minuten. Der Eintritt in den Burghof ist kostenlos; geführte Innentouren (Route 1 und Route 2) kosten 200–350 CZK je Route. In der Hochsaison Juli–August unbedingt online vorbuchen.

4. Konopiště, Böhmen

Konopiště wurde um 1300 als gotische Festung der Herren von Šternberk erbaut, im 16. Jahrhundert zum Renaissanceschloss umgebaut und ab 1887 durch Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich zur ständigen Privatresidenz ausgebaut. Franz Ferdinand wohnte hier bis zu seiner Ermordung in Sarajevo am 28. Juni 1914. Seine Sammelwut prägt die Innenräume bis heute: Die Waffensammlung umfasst rund 4.000 Stücke, und Jagdtrophäen bedecken die Wände in nahezu unglaublicher Dichte — nach Angaben seiner Jagdtagebücher erlegte er in seinem Leben über 300.000 Tiere.

Im Juni 1914 besuchte Kaiser Wilhelm II. Franz Ferdinand in Konopiště zu politischen Gesprächen, deren Inhalt von Historikern als Teil des diplomatischen Kontexts vor der Julikrise diskutiert wird. Der Rosengarten, um 1900 neu gestaltet, ist einer der schönsten erhaltenen aristokratischen Gärten Böhmens, besonders beeindruckend Ende Mai und Anfang Juni. Konopiště liegt 44 km südlich von Prag; Bahnverbindung nach Benešov nad Plounicí (ca. 1 Stunde ab Prag), von dort rund 2 km zur Burg. Eintritt ca. 200–300 CZK je nach Route.

5. Hluboká nad Vltavou, Südböhmen

Hluboká nad Vltavou, 10 km nördlich von České Budějovice, wurde von Johann Adolf II. Fürst von Schwarzenberg zwischen 1840 und 1871 in bewusster und detailgenauer Anlehnung an Windsor Castle umgebaut. Die Ähnlichkeit in Silhouette und Materialität ist kein Zufall: weiße Zinnen, Scheinzinnen und symmetrische Komposition auf einem Hügel über der Moldau. Im Innern beherbergt das Schloss die Südböhmische Aleš-Galerie (Alšova jihočeská galerie) mit flämischen und niederländischen Gemälden aus schwarzenbergischem Besitz, gotischen Tafelbildern und Kunsthandwerk.

Die Schwarzenberger wählten Windsor als Vorbild nicht zufällig — die englische Aristokratietradition galt im mitteleuropäischen Adel des 19. Jahrhunderts als Inbegriff kultivierter Macht. Der Landschaftspark im englischen Stil erstreckt sich den Moldauhang hinunter. Von České Budějovice fahren häufige Busse (ca. 20 Minuten); die Haltestelle liegt fußläufig zum Schlosseingang. Eintritt ca. 200–300 CZK. Geöffnet April bis Oktober, an Wochenenden im November und Dezember eingeschränkt.

6. Bouzov, Mähren

Bouzov liegt auf einem bewaldeten Hügel in der Region Olomouc in Mittelmähren, rund 30 km nordwestlich von Olomouc und etwa 80 km nordöstlich von Brünn. Die ursprüngliche gotische Burg des 14. Jahrhunderts kam 1696 in den Besitz des Deutschen Ordens. Zwischen 1895 und 1910 ließ Erzherzog Eugen von Österreich als Hoch- und Deutschmeister die Anlage umfassend im Stil des romantischen Historismus ausbauen — mit bewusstem Bezug auf die Ordensburg Marienburg in Preußen. Das Ergebnis ist eine der dramatischsten Burgsilhouetten Mitteleuropas: mehrere runde Türme, ein hoher Bergfried und Zinnenmauern auf steil aufragendem, bewaldeten Fels.

Die Innenräume sind entsprechend theatralisch — Waffensäle, Ordenskapelle und Repräsentationsräume mit Mobiliar und Rüstungen zur Illustration der mittelalterlichen Ordensgeschichte. Bouzov wurde mehrfach als Film- und Fernsehkulisse für tschechische Historienproduktionen genutzt. Mit dem Auto von Brünn ca. 80–90 Minuten; öffentliche Verkehrsmittel erfordern Umstieg und Taxi, ein Mietwagen ist praktischer. Eintritt ca. 150–250 CZK.

7. Karlova Koruna, Ostböhmen

Karlova Koruna — der Name bedeutet „Karls Krone" — ist ein barockes Schloss in Chlumec nad Cidlinou in Ostböhmen, rund 80 km östlich von Prag und 20 km westlich von Hradec Králové. Es entstand 1721–1723 für Graf František Ferdinand Kinský nach Entwürfen des Wiener Architekten Johann Blasius Santini-Aichel. Santinis Grundriss — ein kreisrunder Mittelpavillon, flankiert von zwei geschwungenen Flügeln, die sich zu einem Ehrenhof vorwölben — ergibt von oben betrachtet die Form einer Krone, daher der Name.

Die Innenräume bewahren die originale Barockausstattung mit Deckengemälden und Originalmobiliar. Karlova Koruna ist kein Wehrschloss, sondern ein Lustschloss — Sommerresidenz für repräsentative Zwecke. Verwaltet vom Nationalen Denkmalamt; geöffnet Mai bis Oktober. Eintritt ca. 150–200 CZK. Von Prag ist Chlumec nad Cidlinou per Zug in etwa einer Stunde zu erreichen; das Schloss liegt fußläufig vom Bahnhof.

8. Burg Kost, Böhmisches Paradies

Burg Kost im Böhmischen Paradies (Český ráj), rund 80 km nordöstlich von Prag, ist eine der besterhaltenen gotischen Burgen Böhmens — und das bei einem Bauwerk, das in späteren Jahrhunderten kaum verändert wurde. Gegründet in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, wahrscheinlich durch die Familie Vartenberk, liegt Kost an der Mündung zweier tiefer Schluchten; natürliche Felswände bilden auf zwei Seiten die Hauptabwehr. Der Weiße Turm, der quadratische Hauptturm aus dem späten 14. Jahrhundert, ist strukturell vollständig erhalten. Die Burg blieb bis ins 19. Jahrhundert in Privatbesitz mit minimalen Eingriffen, was den außergewöhnlichen Erhalt der Originalsubstanz erklärt.

Die Landschaft des Böhmischen Paradieses mit Sandsteinfelsen und Wäldern empfiehlt sich zum kombinierten Wanderausflug; der Weg durch das Plakánektal von Libošovice zur Burg ist besonders schön. Von Prag mit dem Auto über die D10 Richtung Mladá Boleslav (ca. 70 km), dann Regionalstraßen nach Libošovice. Keine direkte Bahnverbindung; ein Auto ist notwendig. Eintritt ca. 100–180 CZK. Geöffnet April bis Oktober.

9. Pernštejn, Mähren

Pernštejn erhebt sich auf einem steilen Felssporn über dem Svratka-Tal in Südmähren, rund 50 km nordwestlich von Brünn. Die Herren von Pernštejn errichteten die Burg im 13. Jahrhundert und bauten sie im 15. und frühen 16. Jahrhundert unter Vilém von Pernštejn systematisch zu einer der stärksten Festungen Mährens aus. Das konzentrische System aus Außenmauern, Bastionen und Gräben wurde kontinuierlich modernisiert, um mit der Entwicklung der Pulverartillerie Schritt zu halten. Die Burg wurde nie eingenommen und nie wesentlich neu aufgebaut — eine ungewöhnliche Kombination, die ihre gotische und frührenaissance Bausubstanz außerordentlich authentisch macht.

Der spätgotische Wohntrakt mit Netzgewölben und skulptierten Steindetails ist das architektonische Hauptstück. Die Familie Pernštejn kontrollierte auf dem Höhepunkt ihrer Macht im frühen 16. Jahrhundert ausgedehnte Besitzungen in Böhmen und Mähren; die Burg spiegelt diesen Reichtum und diesen Anspruch wider. Von Brünn ca. 50 km nordwestlich über Tišnov; Fahrtzeit etwa eine Stunde. Kein praktikables öffentliches Verkehrsmittel bis zur Burg selbst. Eintritt ca. 150–250 CZK. Geöffnet Mai bis Oktober, April eingeschränkt.

10. Špilberk, Brünn

Burg Špilberk thront auf einem Hügel über dem Zentrum von Brünn, der Hauptstadt Mährens. Im mittleren 13. Jahrhundert als Königsburg des Přemysliden Ottokar II. gegründet, wurde sie ab dem 17. Jahrhundert von den Habsburgern zur Festung ausgebaut. Im 17. und 18. Jahrhundert galt Špilberk als eines der gefürchtetsten politischen Gefängnisse des Habsburger Reiches — der italienische Dramatiker Silvio Pellico, 1820 von den österreichischen Behörden verhaftet, schilderte die Haftbedingungen in seinem weitverbreiteten Memoir. Napoleon besetzte Brünn 1805; in späteren Jahrzehnten nutzten verschiedene Regime Špilberk als Kaserne und Gefängnis, bis hin zur Gestapo im Zweiten Weltkrieg.

Heute beherbergt die Burg das Stadtmuseum Brünn mit Dauerausstellungen zur Festungsgeschichte, zur Geschichte der Stadt und wechselnden Sonderausstellungen. Der öffentlich zugängliche Park rund um die Burg ist ein beliebtes Ausflugsziel der Brünner. Eintritt ca. 100–150 CZK. Vom Stadtzentrum (náměstí Svobody) ist Špilberk in 15–20 Minuten zu Fuß erreichbar. Brünn liegt 2 Stunden per Direktzug von Prag (EC- oder RegioJet-Verbindungen ab Praha hlavní nádraží).

Reiserouten und Praxis

Das mittelböhmische Cluster — Karlštejn, Konopiště, Kost — liegt im Umkreis von 90 km um Prag und lässt sich gut auf drei Tagesausflüge aufteilen: Karlštejn per Bahn, Konopiště per Bahn nach Benešov, Kost mit dem Mietwagen. Südböhmen (Český Krumlov, Hluboká) ist am besten von České Budějovice aus zu erschließen. Mähren (Pernštejn, Bouzov, Špilberk) wird von Brünn aus bereist. Die Burgsaison läuft April bis Oktober; staatliche Anlagen sind montags meist geschlossen. Eintritte liegen typischerweise bei 150–350 CZK; kombinierte Regionalpässe sind über den Národní Památkový Ústav erhältlich. Innenführungen für Karlštejns Heilig-Kreuz-Kapelle und Český Krumlov im Juli und August unbedingt online vorbuchen.

Alle zehn Anlagen sind auf der Karte eingetragen.