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Top 10 Burgen und Schlösser in Belgien

Belgien mag klein sein, doch seine Burgendichte ist bemerkenswert. Das Land vereint zwei mittelalterliche Welten: Im Norden prägen die wohlhabenden Handelsstädte Flanderns steinerne Grafenresidenzen inmitten enger Gassen, während im Süden die waldreichen Ardennen und die tief eingeschnittenen Täler von Maas, Lesse und Semois eine ganz andere Burgenlandschaft hervorgebracht haben — dramatische Klippenburgen, Wassergräben-Anlagen und restaurierte Höhenburgen. Hier sind die zehn bedeutendsten Burgen und Schlösser des Landes.

1. Gravensteen, Gent

Das Gravensteen — auf Französisch Château des Comtes de Flandre — zählt zu den besterhaltenen mittelalterlichen Burgen Nordeuropas. Graf Philipp von Elsass ließ es ab 1180 errichten, stark beeinflusst von den Kreuzritterburgen des Heiligen Landes, die er auf dem Zweiten Kreuzzug kennengelernt hatte. Der ovale Ringwall mit seinem runden Bergfried am östlichen Ende verleiht der Anlage eine kompakte, fast geometrische Wucht, die heute noch mitten im Altstadtgefüge Gents steht. Im Inneren beherbergt das Gravensteen ein Museum mit einer der beeindruckendsten Sammlungen mittelalterlicher Rüstungen und Folterinstrumente Belgiens — darunter Daumenschrauben, Streckbänke und ein komplettes Guillotinenmodell. Eintritt ca. 14 Euro für Erwachsene; ganzjährig geöffnet; vom Bahnhof Gent-Sint-Pieters in rund 20 Minuten zu Fuß erreichbar.

2. Château de Bouillon, Ardennen

Auf einem schmalen Felsrücken in einer engen Mäanderschlinge des Flusses Semois, unweit der französischen Grenze, thront die Burg Bouillon — und mit ihr einer der schicksalhaftesten Orte der Kreuzzugsgeschichte. Gottfried von Bouillon verpfändete die Burg 1095 an den Bischof von Lüttich, um den Ersten Kreuzzug zu finanzieren, und wurde anschließend zum ersten Herrscher des Königreichs Jerusalem. Die Anlage besteht aus drei aufeinanderfolgenden Burghöfen aus Erweiterungsphasen zwischen dem 10. und 13. Jahrhundert. In der Hochsaison finden Falknereishows statt, und das Musée ducal nebenan schildert die Biographie Gottfrieds und die Geschichte des mittelalterlichen Lütticher Bistums. Eintritt ca. 8–10 Euro; ganzjährig geöffnet.

3. Château de Vêves, bei Dinant

Wer durch das bewaldete Tal bei Celles in der Provinz Namur fährt, erblickt plötzlich sechs runde Türme, die makellos über den Baumwipfeln aufragen: das Château de Vêves, ein außergewöhnlich gut erhaltenes Feudalschloss aus dem 15. Jahrhundert. Die Ursprünge reichen ins 8. Jahrhundert zurück, doch das heutige Erscheinungsbild ist spätmittelalterlich — eine herrschaftliche Residenz des Adelsgeschlechts der Beaufort-Spontin, die nie zu einer reinen Militärfestung umgebaut wurde. Im Inneren sind Mobiliar, Waffen und Wandteppiche aus mehreren Jahrhunderten erhalten. Vêves gilt als eines der schönsten Beispiele eines feudalen Wohnsitzes in der Wallonie. Geöffnet April bis November; Eintritt ca. 9 Euro.

4. Burg Beersel, Flämisch-Brabant

Südlich von Brüssel, nur wenige Kilometer von der Hauptstadtregion entfernt, steht Beersel — eine der wenigen erhaltenen Wassergräfenburgen Flanderns mit noch vollständig wassergefülltem Graben. Der dreieckige Grundriss mit drei wuchtigen Rundtürmen aus dem frühen 14. Jahrhundert wurde zweimal zerstört und jedes Mal originalgetreu wiederaufgebaut. Die Burg ist ein ideales Ausflugsziel für Familien, da sie mit dem Bus ab Brüssel bequem erreichbar ist und das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt: Eintritt ca. 4–5 Euro für Erwachsene. Geöffnet März bis November.

5. Château des Comtes, Mons

Weniger bekannt als Gravensteen, aber geschichtlich bedeutsam ist das Grafenschloss von Mons in der Provinz Hennegau. Auf dem Hügel, der dem mittelalterlichen Mons seinen strategischen Wert gab, erhebt sich ein romanischer Bergfried aus dem 11. Jahrhundert — der älteste erhaltene Bau im Stadtkern. Die Grafen von Hennegau regierten von hier aus ein Territorium, das zeitweise bis nach Holland reichte, und das Schloss war für Jahrhunderte das Machtzentrum des Hennegaus. Im Laufe der Zeit mehrfach umgebaut, sind heute Teile der Anlage als archäologische Stätte zugänglich und bieten einen freien Blick über die Dächer der Stadt. Gemeinsam mit dem Belfry und dem Rathaus bildet das Ensemble ein kompaktes historisches Stadtbild, das sich an einem halben Tag erkunden lässt.

6. Zitadelle von Namur

Am Zusammenfluss von Maas und Sambre wacht die Zitadelle von Namur über eine der strategisch wichtigsten Kreuzungen Westeuropas. Bereits in der Römerzeit befestigt, wurde die Anlage im Mittelalter zur Residenz der Grafen von Namur ausgebaut und in der frühen Neuzeit zur modernen Bastionfestung nach Plänen von Vauban umgestaltet. Der Panoramablick über die Flusslandschaft ist beeindruckend. Besucher können die unterirdischen Gänge erkunden, historische Ausstellungen zur Belagerungsgeschichte besichtigen und mit dem Sessellift auf den Hügel hinauffahren. Der Besuch des Außengeländes ist kostenfrei; Führungen durch die Festungsanlagen kosten ca. 6–8 Euro. Ganzjährig geöffnet.

7. Château de Walzin, Lesse-Tal

Das Château de Walzin ist Belgiens wohl romantischste Burg: ein schlanker Turm und Mauerreste auf einem senkrecht abfallenden Felsrücken hoch über dem Fluss Lesse, inmitten tiefer Wälder bei Dinant. Die heutige Anlage stammt aus dem 14. bis 16. Jahrhundert, doch die Befestigungsgeschichte des Ortes reicht weit ins frühe Mittelalter zurück. Walzin ist Privatbesitz und von innen nicht zugänglich, doch das Panorama vom Fluss aus — am besten mit dem Kanu, das man in Anseremme mieten kann — zählt zu den eindrucksvollsten Burgenblicken des Landes. Kein Eintritt für das Exterieur; eine Kanutour entlang der Lesse kostet je nach Anbieter und Streckenlänge ca. 15–20 Euro pro Person.

8. Burg Reinhardstein, Hohes Venn

Hoch im Hautes-Fagnes-Naturpark in der Provinz Lüttich, über der tief eingeschnittenen Warche-Schlucht, liegt Reinhardstein — eine Klippenburg aus dem 14. Jahrhundert, deren wechselvolles Schicksal im 19. Jahrhundert mit einem fast vollständigen Verfall endete. Zwischen 1969 und 2000 restaurierte der belgische Archäologe Jean Forgeur die Burg eigenhändig über drei Jahrzehnte. Das Ergebnis ist einzigartig: eine mittelalterliche Anlage mitten in der moorigen Hochlandschaft des Venn, die im Nebel nahezu märchenhaft wirkt. Geführte Besichtigungen sind Juli bis September an Wochenenden möglich; Eintritt ca. 7–8 Euro. Der umliegende Naturpark lädt zu Wanderungen entlang der Warche ein.

9. Château de Modave, Hoyoux-Schlucht

Das Château de Modave in der Provinz Lüttich verkörpert einen anderen Typus: keine Kriegsburg, sondern ein frühbarockes Herrenschloss des 17. Jahrhunderts auf einem Steilhang über der Hoyoux-Schlucht. Das Innere ist bemerkenswert gut erhalten — bemalte Stuckdecken, Louis-XIV-Mobiliar und flämische Wandteppiche vermitteln ein authentisches Bild aristokratischen Wohnens jener Epoche. Besondere historische Bedeutung hat Modave durch den Ingenieur Rennequin Sualem, der 1667 hier eine hydraulische Schöpfmaschine entwickelte — ein direkter Vorläufer der berühmten Machine de Marly, die später den Gärten von Versailles das Wasser lieferte. Eintritt ca. 9 Euro; geöffnet April bis November.

10. Het Steen, Antwerpen

Am Scheldeufer in der Altstadt Antwerpens steht Het Steen — das älteste erhaltene Bauwerk der Stadt. Bereits im 9. Jahrhundert als karolingische Befestigung angelegt, wurde die Burg im 12. und 13. Jahrhundert in Stein ausgebaut und diente mehrere Jahrhunderte lang als Stadtgefängnis, bevor sie zum Museum umfunktioniert wurde. Die Lage direkt am Wasser, mit dem breiten Strom der Schelde vor der Festung, ist malerisch und vermittelt die einstige maritime Bedeutung Antwerpens als eine der größten Hafenstädte Nordeuropas. Die Außenanlage ist frei zugänglich; das kürzlich renovierte Museum zeigt Ausstellungen zur Stadtgeschichte und Schifffahrt, Eintritt variabel.

Praktische Reisehinweise

Die meisten belgischen Burgen konzentrieren sich in zwei Regionen: dem flämischen Norden rund um Gent und Antwerpen sowie der wallonischen Ardennen in den Provinzen Namur und Lüttich. Ein Mietwagen ist für die Ardennenschlösser empfehlenswert, da Walzin, Reinhardstein und Vêves nur eingeschränkt mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sind. Gravensteen, Het Steen und die Zitadelle von Namur lassen sich dagegen sehr gut mit Bahn und Bus besuchen. Die Saison April bis Oktober bietet die besten Bedingungen; viele Anlagen haben in den Wintermonaten reduzierte Öffnungszeiten oder schließen ganz. Ein kombinierter Dreitagesrundkurs — Gent und Beersel, dann Ardennen (Bouillon, Namur, Vêves, Walzin, Modave, Reinhardstein), schließlich Antwerpen — erlaubt es, alle zehn Burgen in einer einzigen Reise zu erleben.

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