Top 10 Burgen und Schlösser in Österreich
Österreich ist eines der burgenreichsten Länder Europas. Die Alpenlandschaft zwang Herrschaft und Verteidigung in die Höhe: Bergsättel, Felssporne und Talengpässe wurden über Jahrhunderte mit Befestigungen gesichert. Das Ergebnis ist ein einzigartiges Ensemble aus Felsenburg, Residenzschloss und Kaiserpalast, das die europäische Geschichte von der Karolingerzeit bis zur Habsburgermonarchie abdeckt.
1. Hochosterwitz, Kärnten
Hochosterwitz erhebt sich auf einem 160 Meter hohen Dolomitfelsen über der Kärntner Ebene und gehört zu den eindrucksvollsten Burgsilhouetten Mitteleuropas. Die vierzehn Torbauten, die den einzigen Aufstiegsweg sichern, entstanden zwischen 1570 und 1586 unter Georg Khevenhüller als Antwort auf die osmanische Bedrohung. Jedes Tor war eine eigenständige Verteidigungsstation; die Strecke vom Fuß bis zur Oberburg beträgt fast einen Kilometer. Die Burg blieb uneingenommen. Sie gehört noch heute der Familie Khevenhüller-Metsch, ist aber der Öffentlichkeit zugänglich. Der Aufstieg zu Fuß dauert etwa zwanzig Minuten; ein Lift in den Fels steht zur Verfügung.
2. Schloss Schönbrunn, Wien
Schönbrunn ist das österreichische Gegenstück zu Versailles: eine barocke Kaiserresidenz, die politische Macht durch architektonische Grandiosität ausdrückt. Die heutige Anlage geht auf Johann Bernhard Fischer von Erlach und Nicolas Jadot zurück; sie entstand hauptsächlich zwischen 1695 und 1749 unter Karl VI. und Maria Theresia. 1441 Zimmer, der Spiegelsaal, die Prunkräume und die Gloriette auf dem Schlossberg sind die bekanntesten Elemente. Mozart spielte hier 1762 als Sechsjähriger. Franz Joseph I. wurde hier 1830 geboren und starb 1916 in denselben Mauern. Heute ist Schönbrunn UNESCO-Welterbe und das meistbesuchte Schloss Österreichs.
3. Festung Hohensalzburg, Salzburg
Die Festung Hohensalzburg, 1077 von Erzbischof Gebhard von Helffenstein gegründet, gehört zu den am vollständigsten erhaltenen mittelalterlichen Burgen im deutschsprachigen Raum. Auf einem Felssporn 120 Meter über der Salzach thronend, war sie Residenz, Staatsgefängnis und militärische Festung in einem. Die Goldene Stube und der Goldene Saal aus der Zeit Erzbischof Leonhards von Keutschach um 1500 sind die reichsten Innenräume. Eine Standseilbahn verbindet die Festung mit der Altstadt; der Fußweg dauert etwa zwanzig Minuten. Die Altstadt Salzburgs einschließlich der Festung ist UNESCO-Welterbe.
4. Burg Dürnstein, Niederösterreich
Dürnstein thront als malerische Ruine über dem Weinort Dürnstein in der Wachau. Hier saß Richard I. Löwenherz nach seiner Gefangennahme 1192 ein, bis ein Lösegeld von 150.000 Mark Silber ausgehandelt wurde — eine Summe, die England und Österreich gleichermaßen prägte. Die Burg wurde im Spanischen Erbfolgekrieg 1645 zerstört; was blieb, sind die Ruinen des Bergfrieds, der Ringmauer und ein atemberaubender Blick über das Wachautal. Der Aufstieg von Dürnstein dauert etwa dreißig Minuten; die Wachau ist UNESCO-Welterbe.
5. Schloss Esterhazy, Eisenstadt
Schloss Esterhazy im burgenländischen Eisenstadt ist die Hauptresidenz der Fürsten Esterhazy, der reichsten Adelsfamilie der österreichisch- ungarischen Monarchie. Der Kern ist eine mittelalterliche Burg, die zwischen 1663 und 1672 im Barockstil umgebaut wurde. Joseph Haydn diente hier fast dreißig Jahre als Hofkapellmeister; der Haydnsaal mit seiner bemerkenswerten Akustik ist heute Konzertort. Die Schaukäserei und der Schlosspark ergänzen das Besuchsprogramm.
6. Burg Kreuzenstein, Niederösterreich
Kreuzenstein nahe Leobendorf ist eine der merkwürdigsten Burgen Österreichs: eine neo-mittelalterliche Restaurierung des späten 19. Jahrhunderts, errichtet vom Grafen Johann Nepomuk Wilczek auf den Fundamenten einer 1645 zerstörten mittelalterlichen Anlage. Wilczek sammelte über Jahrzehnte echte mittelalterliche Bauteile — Portale, Kamine, Fenstergewände — aus abgerissenen Bauten in ganz Mitteleuropa und integrierte sie in den Neubau. Das Resultat ist eine Assemblage authentischer Substanz in romantischer Komposition.
7. Schloss Ambras, Tirol
Schloss Ambras bei Innsbruck war die Residenz Erzherzog Ferdinands II. von Österreich, der hier zwischen 1564 und 1596 eine der wichtigsten Kunstkammern der Renaissance zusammenstellte. Die Rüstkammer mit ihrer vollständigen Sammlung hochmittelalterlicher und frühneuzeitlicher Rüstungen gilt als eine der bedeutendsten weltweit. Das Spanische Gemach ist der älteste noch erhaltene Frührenaissance-Saalbau nördlich der Alpen. Der Schlossberg über Innsbruck war bereits in der Antike besiedelt.
8. Festung Kufstein, Tirol
Die Festung Kufstein auf einem Felsblock unmittelbar am Inn ist die militärische Schlüsselanlage zwischen Bayern und Tirol. Ihr Kaiserturm mit einem Durchmesser von 24 Metern und Mauerstärken bis zu sechs Metern wurde nach der Einnahme durch Kaiser Maximilian I. 1504 errichtet. Die Festung wechselte im Dreißigjährigen Krieg und in den napoleonischen Kriegen mehrfach den Besitzer. Die Heldenorgel, 1931 auf der Festung eingebaut, erklingt täglich um zwölf Uhr und ist im gesamten Inn-Tal zu hören.
9. Schloss Hellbrunn, Salzburg
Hellbrunn südlich von Salzburg ist kein Wohnschloss, sondern ein Vergnügungspalast: Erzbischof Markus Sittikus ließ ihn 1613 bis 1619 als Tagesresidenz und Ort höfischen Amüsements errichten. Die Wasserspiele — hydraulische Automaten und verborgene Fontänen, die ahnungslose Besucher durchnässen — sind bis heute in Betrieb und einzigartig in ihrer Art. Das Steintheater im Park ist das älteste nördlich der Alpen genutzte Freilufttheater.
10. Burg Rappottenstein, Niederösterreich
Rappottenstein im Waldviertel gilt als eine der am besten erhaltenen Hochburgen Niederösterreichs. Die Anlage geht auf das 12. Jahrhundert zurück; der romanische Bergfried und Teile der Ringmauer sind original. Im Gegensatz zu vielen Burgen wurde Rappottenstein nie zerstört oder vollständig umgebaut. Ihr ländlicher Standort fernab von Touristenmassen macht sie zu einem authentischen Erlebnis; private Führungen zeigen Räume, die in den meisten Burgen nicht zugänglich wären.
Planungshinweise für Österreich
Hohensalzburg, Schönbrunn und Ambras sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar. Hochosterwitz liegt abseits der Bahnlinie; ein Mietwagen oder eine organisierte Tour empfiehlt sich. Das Waldviertel lässt sich am besten auf einer mehrtägigen Rundfahrt erkunden. Der Österreichische Burgenverband pflegt ein umfassendes Verzeichnis aller zugänglichen Burgen.
Auf der Karte erkunden
Alle genannten Anlagen sind auf der Karte öffnen verzeichnet. Die Kartensicht zeigt die Konzentration im Alpenraum und die unterschiedlichen Burgtypen nach Region.